{"id":1137,"date":"2015-01-15T15:23:12","date_gmt":"2015-01-15T15:23:12","guid":{"rendered":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/?page_id=1137"},"modified":"2015-04-18T09:24:34","modified_gmt":"2015-04-18T07:24:34","slug":"our-world-sixteen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/our-world-sixteen\/","title":{"rendered":"Our world Sixteen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/01\/Illu_Amatterofperspective.jpg\" alt=\"Illu_Amatterofperspective\" width=\"507\" height=\"340\" class=\"alignleft size-full wp-image-1134\" srcset=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/01\/Illu_Amatterofperspective.jpg 507w, http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/01\/Illu_Amatterofperspective-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 507px) 100vw, 507px\" \/><\/p>\n<h1>\/\/ Wahrnehmung und Realit\u00e4t  \/\/<\/h1>\n<p>Vor Kurzem las ich Africa39, eine Sammlung von Kurzgeschichten von 39 afrikanischen Autoren, von denen keiner \u00e4lter als 40 Jahre ist. Jede einzelne der Geschichten beeindruckte mich durch ihre ungew\u00f6hnliche Themenfindung abseits von dem, was man von afrikanischer Literatur gemeinhin erwartet. Africa39 ist nicht nur eine Anthologie brillant geschriebener Erz\u00e4hlungen, in denen au\u00dfergew\u00f6hnlich begabte Schriftsteller oftmals \u00fcberraschende Perspektiven aufzeigen, sondern pr\u00e4sentiert auch ganz unterschiedliche Sichtweisen \u2013 von Afrikanern auf dem Kontinent und in der Diaspora. Eine der Geschichten hat mich ganz besonders angesprochen. In \u201eMama\u2019s Future\u201c von Nana Ekua Brew-Hammond, einer ghanaisch-st\u00e4mmigen Amerikanerin, hei\u00dft es: \u201eMama (Afrika) war zu ihren besten Zeiten die reichste und begehrteste Frau der Welt\u2026\u201c; zahlreiche Verehrer aus aller Welt kamen, um \u201edas Privileg eines Blickes zu erhaschen\u201c. Auf ihrem Sterbebett erz\u00e4hlt Mama ihren Kindern, die sich aus der Diaspora eingefunden haben, dass sie ihr Verm\u00f6gen langfristig in Diamanten, Gold, \u00d6l und Erdgas angelegt habe und nimmt den Kindern das Versprechen ab, sie m\u00f6gen die Reicht\u00fcmer einsetzen, um ihr Verm\u00e4chtnis wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen. <\/p>\n<p>Meine Freunde und ich, die wir selbst in der Diaspora leben, besprechen (und bedauern) immer wieder, dass Afrika von vielen als ein \u201egro\u00dfes, hoffnungsloses Land\u201c mit begrenztem Potenzial angesehen wird. Die Verbreitung von Ebola ist die j\u00fcngste Trag\u00f6die, die zu diesem Bild beitr\u00e4gt, und w\u00e4hrend ich diese Zeilen schreibe, sind immer noch Teile dreier westafrikanischer L\u00e4nder davon betroffen. Die Ebola-Epidemie hat zweifelsohne die Au\u00dfenwahrnehmung Afrikas als krankheits- und armutsgebeutelter, vom Krieg zerr\u00fctteter Kontinent best\u00e4rkt. Diesen Problematiken darf man nicht aus dem Weg gehen. Doch Afrika ist wesentlich vielf\u00e4ltiger, als sich viele Menschen vorstellen k\u00f6nnen, und trotz aller schlimmen Dinge, die passiert sind und immer noch passieren, hat diese riesige Region tats\u00e4chlich eine Zukunft.  <\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte gerne die Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gewonnen habe, teilen. Aber zun\u00e4chst einmal einige grundlegende Fakten und Zahlen: Laut dem Bev\u00f6lkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) ist Afrika der zweitgr\u00f6\u00dfte Kontinent der Erde mit 54 L\u00e4ndern und einer Bev\u00f6lkerung von 1,132 Milliarden Einwohnern. Den Statistiken zufolge wohnen auf dem afrikanischen Kontinent 700 Millionen junge Menschen unter 25. Von den 54 afrikanischen L\u00e4ndern habe ich 18 besucht (Botswana, Elfenbeink\u00fcste, \u00c4quatorialguinea, \u00c4thiopien, Ghana, Kenia, Liberia, Namibia, Nigeria, Ruanda, Senegal, Seychellen, S\u00fcdafrika, Tansania, Tunesien, Uganda, Sambia und nat\u00fcrlich mein Heimatland Simbabwe). Im Zuge meiner Arbeit auf diesem Kontinent traf ich auf Menschen mit unterschiedlicher Muttersprache: Englisch, Franz\u00f6sisch, Spanisch, Portugiesisch und Arabisch, sowie zahlreiche Sprecher verschiedener afrikanischer Sprachen. Eine solche Diversit\u00e4t w\u00fcrde man in einem gro\u00dfen, homogenen Land nicht vorfinden. <\/p>\n<h3>*<\/h3>\n<p><\/p>\n<p>Ich war schon als Kind sehr neugierig. Meine Familie hat uns immer darin best\u00e4rkt, ein reges Interesse an der Welt zu entwickeln. Wir sahen jeden Abend die Nachrichten und ich erinnere mich lebhaft an manche der Ereignisse und die bedeutenden Pers\u00f6nlichkeiten der 70er Jahre, die bei meiner Schwester und mir brennende Fragen aufwarfen: Moshe Dayan (was war mit seinem Auge passiert?), Idi Amin (warum vertrieb er Inder aus dem Land?), Leonid Breschnew (warum ist der Kalte Krieg kalt?), Herbert Chitepo (warum wurde er ermordet?). Damals w\u00fcnschte ich mir, sp\u00e4ter einmal viele interessante Menschen aus anderen Teilen der Welt zu treffen. Ich konnte nat\u00fcrlich noch nicht ahnen, dass mich meine Arbeit einmal mit der Sozio\u00f6konomie, Politik und Popul\u00e4rkultur Afrikas in der globalisierten Welt konfrontieren w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Ganz zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn beim Rundfunk bin ich in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, nachdem ich den s\u00fcdafrikanischen Autor, Journalist und politischen Kommentator Allister Sparks interviewt hatte. Damals wurden jeder Erw\u00e4hnung des Landes S\u00fcdafrika in den simbabwischen Medien die Worte \u201edas von einem rassistischen Apartheidsregime regierte S\u00fcdafrika\u201c vorangestellt \u2013 diesen Zusatz hatte ich w\u00e4hrend des Interviews aus Versehen ausgelassen. Au\u00dferdem war es damals ein Tabu, einen wei\u00dfen S\u00fcdafrikaner zu interviewen, so liberal er auch sein mochte. Mein Interesse lag eher auf der Diskussion \u00fcber die Lebensrealit\u00e4ten in einem Pariastaat (Simbabwe hatte damals die Unabh\u00e4ngigkeit erhalten) und ich wollte wissen, warum und wie er sich durch seine Arbeit in den Medien mit dem \u201eEstablishment\u201c angelegt hatte. Au\u00dferdem wollte ich mehr \u00fcber seine Rolle als Gr\u00fcnder des \u201eInstitute for the Advancement of Journalism\u201c erfahren \u2013 ein Institut, das sich der Ausbildung afrikanischer Journalisten verschreibt und die Kommunikation und Vernetzung zwischen Journalisten verschiedener afrikanischer L\u00e4nder f\u00f6rdert. Gl\u00fccklicherweise blieb es bei einem Tadel und ich durfte meine Stelle behalten. Ich blieb also bei dem Radiosender und hatte so die Gelegenheit, gro\u00dfartige Pers\u00f6nlichkeiten kennenzulernen und zu interviewen, darunter die Hollywood-Schauspieler Danny Glover, Morgan Freeman und Alfre Woodard und die gro\u00dfartige Musikerin Nina Simone, um nur einige von unz\u00e4hligen Stars und Meinungsbildnern zu nennen. Es ist fast schade, dass diese Ereignisse vor der Verbreitung der sozialen Medien stattgefunden haben \u2013 so konnten wir die Begegnungen nicht f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen dokumentieren (gerade f\u00fcr die eigenen skeptischen Kinder, die erst glauben, dass etwas wirklich passiert ist, wenn sie es im Internet recherchieren k\u00f6nnen). <\/p>\n<p>Zehn Jahre sp\u00e4ter arbeitete ich in London f\u00fcr ein internationales Finanzinstitut, dessen Ziel es war, eine \u201eVorreiterrolle in Afrika, Asien und dem Nahen Osten\u201c einzunehmen. Ich war f\u00fcr die Kommunikation und die Au\u00dfenbeziehungen der Vertretungen in dreizehn afrikanischen L\u00e4ndern zust\u00e4ndig. <\/p>\n<p>Die wichtigste Initiative zu der Zeit war \u201eAfrica First\u201c. Das Programm bem\u00fchte sich darum, den Kontinent als wichtige Wachstumsregion f\u00fcr die internationale Gesch\u00e4ftswelt zu positionieren. Es war das Jahr 2002, und die afrikanischen L\u00e4nder trugen betr\u00e4chtlich zum Vorsteuergewinn des Finanzinstituts bei. Obwohl ich zuvor nur f\u00fcr eine kleinere Region innerhalb desselben Finanzinstituts zust\u00e4ndig war, entdeckte ich in diesem breiteren, pan-afrikanischen Zust\u00e4ndigkeitsbereich, wie divers der Kontinent ist und welche gro\u00dfen wirtschaftlichen Chancen er f\u00fcr Unternehmen, Einzelhandel und Finanzinstitute bereith\u00e4lt. Heute hat das Unternehmen, bei dem ich t\u00e4tig war, die weltweite Finanzkrise weitgehend unbeschadet \u00fcberstanden und konnte seine strategische Position innerhalb der internationalen Investitions- und Handelsbeziehungen beibehalten. Die florierende Mittelschicht und die wohlhabende Klientel, auf die die afrikanische Wirtschaft abzielt, stehen im starken Kontrast zu dem Bild, das von Afrikanern oftmals in den Massenmedien gezeichnet wird.<\/p>\n<p>Als Simbabwerin war ich angenehm \u00fcberrascht, wie warmherzig und offen ich bei meinem ersten Besuch in Westafrika von den Menschen in Accra, Ghana aufgenommen wurde. Ich war fasziniert von den englischen und niederl\u00e4ndischen Nachnamen meiner ghanaischen Kollegen. Mich beeindruckte auch der h\u00f6fliche und aufmerksame Empfang am Flughafen, die Gastfreundlichkeit in den idyllischen Strandhotels, und die mir unbekannten Gerichte auf den Speisekarten, darunter Rindfleisch mit der sch\u00e4rfsten Sauce, die ich je probiert hatte. Bei einer Besprechung begegnete mir zum ersten Mal das Konzept des \u201eSoli\u201c (Solicitation) \u2013 eine Art Honorar oder Aufwandsentsch\u00e4digung f\u00fcr das Erscheinen von Journalisten bei Events, das diesen ausbezahlt wurde, wenn sie \u00fcber die Events von Unternehmen berichteten. Aus Gro\u00dfbritannien war mir diese Praxis v\u00f6llig unbekannt, aber ich erfuhr, dass sie in manchen L\u00e4ndern, die ich bereiste, sehr g\u00e4ngig war. Der \u201eSoli\u201c wird von beiden Seiten als eine Geste der Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr das Teilnehmen der Journalisten betrachtet.<\/p>\n<p>Als ich bei einem anderen Londoner Finanzinstitut anfing, war ich f\u00fcr Westeuropa zust\u00e4ndig und hatte auch die Gelegenheit, die Kommunikation (mit allen ihren Herausforderungen) bei den Bankgesch\u00e4ften der internationalen Einzelhandels- und Firmenkunden in Frankreich, Spanien, Italien, Portugal und auch S\u00fcdafrika zu unterst\u00fctzen. Zum ersten Mal arbeitete ich im Bereich der Fusionen und \u00dcbernahmen. Zwei so unterschiedliche Organisationen zusammenzuf\u00fchren, stellte mich auf eine harte Probe. All die gesetzlichen H\u00fcrden, die Zeitverschiebung, die unterschiedlichen Betriebsmodelle und markenstrategischen Fragen. Das erste Treffen der \u201eJungs\u201c (und M\u00e4dels) aus London und Johannesburg war, gelinde ausgedr\u00fcckt, etwas schwierig. PR-Pakete, die in London in englischer Sprache entworfen wurden, funktionieren nicht unbedingt auf Afrikaans, Xhosa oder Zulu. Einige Produkte und Dienstleistungen sind auch auf anderen M\u00e4rkten sinnvoll, aber manche der Innovationen mussten auf die unterschiedlichen Kulturen und Bev\u00f6lkerungsschichten (Schwarz, Wei\u00df, Indisch, \u201aColoured\u2018) des Landes zugeschnitten werden.<\/p>\n<p>Im Jahr 2008 wechselte ich zu einer Beratungsfirma und war Teil des Koordinationsteams f\u00fcr die African Business Reporting Awards, deren Jury dieses Jahr Zeinab Badawi von der BBC vorstand. Die Awards zeichnen exzellente Leistungen im Print-, Rundfunk- und Online-Journalismus in den Bereichen Wirtschaft und Investition in den afrikanischen L\u00e4ndern aus. <\/p>\n<p>Es war ermutigend, so viele Geschichten \u00fcber technologischen Fortschritt, den Ausbau des \u00d6l- und Gassektors, den Unternehmergeist in der Telekommunikationsbranche und viele andere Beispiele von Innovationskraft und Erfolg kennenzulernen. Auf der anderen Seite erinnere ich mich an viele Artikel, in denen die \u201eRekolonialisierung\u201c Afrikas (durch China), die Korruption und B\u00fcrokratie angemahnt wurden.<\/p>\n<h3>*<\/h3>\n<p><\/p>\n<p>2010 kehrte ich nach Afrika zur\u00fcck, nachdem ich zehn Jahre lang nicht dort gewesen war, und bekam dort eine neue Stelle bei einer regionalen Entwicklungsorganisation mit Fokus auf Entwicklungskapazit\u00e4ten. Schon nach einer Woche wurde mir in einem Meeting gesagt, dass ich nach Monrovia (Liberia) fliegen w\u00fcrde, um dort eine Videoaufzeichnung von ihrer Exzellenz der Pr\u00e4sidentin Ellen Johnson Sirleaf zu machen, die dann einen Monat sp\u00e4ter bei den Feierlichkeiten zum 20j\u00e4hrigen Bestehen der Organisation in Tunesien abgespielt werden w\u00fcrde. Pr\u00e4sidentin Sirleaf war die erste einer Reihe von Staats- und Regierungsoberh\u00e4uptern, die ich in der Folge kennenlernen w\u00fcrde, deren L\u00e4nder sehr oft reich an Ressourcen, aber arm an Kapazit\u00e4ten waren. Zum Zeitpunkt des Ebola-Ausbruchs dachte ich an meinen ersten Besuch in Liberia zur\u00fcck und erinnerte mich an das Gef\u00fchl von Hoffnung und Optimismus, das von fast allen Menschen ausging, die ich in diesem fragilen Land mit konfliktreicher Vergangenheit angetroffen hatte. Besonders in Krisenzeiten ist es sehr einfach, \u00fcber andere zu urteilen und nur negative Aspekte zu sehen. Nachdem die Medien sich also auf die Auswirkungen des Ebola-Problems in Teilen Liberias, Guineas und Sierra Leones konzentrierten, wurde wenig \u00fcber die Suche nach L\u00f6sungen und bestehenden Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Epidemie berichtet. W\u00e4hrend Liberia, eines der am h\u00e4rtesten von der Epidemie getroffenen L\u00e4nder, verzweifelt an der Umsetzung eines umfassenden Plans arbeitet, wird mir mehr als je zuvor bewusst, wie wichtig Widerstandsf\u00e4higkeit angesichts externer und interner Ersch\u00fctterungen ist und welch immense Bedeutung starke, stabile Institutionen haben. <\/p>\n<p>K\u00fcrzlich hatte ich die Gelegenheit, in Tunesien zu arbeiten, in der Zeit nach dem arabischen Fr\u00fchling. Dort war ich schon einmal w\u00e4hrend der Pr\u00e4sidentschaft von Zine El Abidine Ben Ali t\u00e4tig. Beide Male war ich mit meinem Sohn dort. Beim letzten Mal war er schon ein Teenager, und seine Beobachtungen waren sehr aufschlussreich. F\u00fcr ihn war es das Jahr zwischen Schule und Universit\u00e4t, also hatte ich ihn bei einem Franz\u00f6sisch-Intensivkurs angemeldet, w\u00e4hrend ich bei der Arbeit war. Er musste jeden Tag mit dem Taxi auf die andere Seite von Tunis fahren. Seine Franz\u00f6sischlehrerin, eine tunesische Hochschulabsolventin, war eine moderne, junge Frau, die Hip-Hop h\u00f6rte, Kabelfernsehen sah und gerne essen und shoppen ging. Sie genoss ihre neu gewonnene religi\u00f6se Freiheit und ihr Recht auf Selbstbestimmung sichtlich und trug bewusst (sehr modische) Hijabs \u00fcber langen Tuniken. Abends erz\u00e4hlte mir mein Sohn von den Unterhaltungen mit seiner Lehrerin au\u00dferhalb des Unterrichts. &#8222;Wie, glaubst du, stehen die Chancen, dass Algerien Weltmeister wird?\u201c und \u201eGehst du zum Konzert von Joss Stone in Karthago?\u201c sind S\u00e4tze, die ich eigentlich nicht von einer verschleierten jungen Frau aus dem Maghreb erwartet h\u00e4tte. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend unserer Zeit in Tunesien und sp\u00e4ter an der Elfenbeink\u00fcste, als wir \u201eInside Africa\u201c auf CNN und \u201eAfrica Business Report\u201c auf BBC sahen (zwei der wenigen englischsprachigen Sender, die wir dort empfangen konnten), fiel mir auf, dass sich die globale Au\u00dfenwahrnehmung des afrikanischen Kontinents tats\u00e4chlich verschoben hatte. Schreckgeschichten und Untergangsszenarien weichen langsam positiven Geschichten von Freiheit, Hoffnung, Glaube, Erfolg und Liebe, oder halten sich zumindest mit diesen die Waage. Geschichten von gew\u00f6hnlichen und au\u00dfergew\u00f6hnlichen Menschen, von Erm\u00e4chtigung, Entwicklung und Optimismus im Norden, S\u00fcden, Osten und Westen Afrikas.<\/p>\n<p>Der afrikanische Kontinent steht stark im Licht der Welt\u00f6ffentlichkeit. Erst k\u00fcrzlich, im Dezember 2014, hatte ich die Ehre, an zwei verschiedenen Veranstaltungen in London mit Schwerpunkt Afrika teilzunehmen. Beim \u201eAnnual Lecture\u201c, dem j\u00e4hrlichen Vortrag der Royal African Society mit dem Titel Africa Rising? What Will Happen When Her Citizens Arise? (\u201eDer Aufstieg Afrikas? Was passiert, wenn sich die B\u00fcrger erheben?\u201c) betonte Dr. Obiageli Ezekwesili, leitende Wirtschaftsberaterin bei den Open Society Foundations (OSF) und ehemalige Vizepr\u00e4sidentin der Afrika-Abteilung der Weltbank, wie wichtig es sei, dass afrikanische B\u00fcrger die Entwicklung ihres Kontinents als ihr eigenes Projekt betrachteten und von ihren politischen Vertretern gute Regierungsf\u00fchrung einforderten, die ihren Lebensstandard und ihre Lebensqualit\u00e4t steigert. Die andere Veranstaltung war TEDxEuston, ein Format, das an die beliebten TED-Talks ankn\u00fcpft, die 1984 von Richard Saul Wurman unter dem Motto \u201eIdeen, die sich zu verbreiten lohnen\u201c ins Leben gerufen wurden. Die Veranstaltung wurde von einem Team afrikanischer Experten organisiert. Eine Reihe interessanter Redner pr\u00e4sentierten ihren Zugang zum Thema \u201eFacing Forward\u201c, unter dem die aktuelle Situation des afrikanischen Kontinents beleuchtet wurde. Das Thema \u201eFacing Forward\u201c lehnt sich an Kwame Nkrumahs ber\u00fchmtes Zitat\u00a0&#8222;We face neither east nor west but forward\u201d (Wir schauen weder nach Osten noch nach Westen, sondern nach vorne) an. Die Vortr\u00e4ge besch\u00e4ftigten sich mit der Idee, Dinge anders zu denken, Dinge anders zu machen oder einen anderen F\u00fchrungsstil zu entwickeln. <\/p>\n<p>Die wichtigste Botschaft, die ich von beiden Veranstaltungen mitnahm, war, dass die Zukunftsaussichten gar nicht so d\u00fcster sind. Herausforderungen gibt es auf allen Ebenen der Entwicklung. Aber, wie viele Afrikaner, die Autoren der eingangs erw\u00e4hnten Anthologie Africa 39 eingeschlossen, glaube ich, dass ein Raum geschaffen wurde, in dem Afrika mit einem zukunftsorientierten Blick und im globalen Kontext betrachtet werden kann. In den letzten beiden Jahrzehnten habe ich auf diesem riesigen Kontinent die unterschiedlichsten L\u00e4nder kennengelernt, die \u00fcber enormes Potenzial verf\u00fcgen, das nur aktiviert werden muss. Und so schlie\u00dfe ich mit einem Zitat des nigerianischen Strategen Dr. Kingsley Chiedu Moghalu, Autor des Buches Emerging Africa: How the Global Economy\u2019s \u2018Last Frontier\u2019 Can Prosper and Matter (Das aufstrebende Afrika: Wie die letzte Grenze der globalen Wirtschaft aufbl\u00fchen und an Bedeutung gewinnen kann): \u201eLangsam aber sicher wird Afrika weniger als \u201ahoffnungsloser\u2018 Kontinent betrachtet, sondern eher als zukunftstr\u00e4chtige Region mit wirtschaftlichen Entwicklungsschancen; weniger als Ort der Armut, des Krieges und der Naturkatastrophen als ein Ort, der wirtschaftlichen Aufschwung verspricht. Kurz gesagt, Afrika wird als \u201anormale\u2018 Region, wenn auch weniger wohlhabend als andere Teile der Welt, betrachtet, und nicht mehr als der dezidiert \u201aanormale\u2018 Fleck am Rande der Landkarte in den K\u00f6pfen der Menschen, der es einmal war.\u201c<\/p>\n<h3>Audrey Mpunzwana<\/h3>\n<blockquote><p>Audrey Mpunzwana wurde in Harare, Simbabwe geboren. Im Alter von drei Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Gro\u00dfbritannien und kehrte kurz vor der Unabh\u00e4ngigkeit nach Simbabwe zur\u00fcck. Mpunzwana studierte zun\u00e4chst Soziologie und machte dann Ihren M.A. in Medienwissenschaften als Stipendiatin des British Council an der University of Leicester. Sie begann ihre berufliche Laufbahn beim Radio und Fernsehen in ihrem Heimatland Simbabwe und hat seither in unterschiedlichen Feldern der internationalen Entwicklungsarbeit und Unternehmenskommunikation gearbeitet, unter anderem bei UNICEF, Standard Chartered Bank, African Development Bank, Barclays Bank, der African Capacity Building Foundation und africapractice. Sie nahm an Entwicklungsprogrammen f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte an der London Business School und der Exeter University teil und ist derzeitig als Kommunikationsberaterin in Gro\u00dfbritannien und vielen Teilen Afrikas t\u00e4tig.<\/p><\/blockquote>\n<h3>Manuel Cabrera<\/h3>\n<blockquote><p>Manuel Cabrera wurde 1986 in Mexiko Stadt geboren. Er studierte Grafikdesign an der Universidad Iberoamericana. Zur Zeit arbeitet er als freischaffender Grafikdesigner und Illustrator, w\u00e4hrend er dabei ist, ein zweites Studium in Architektur zu beenden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Januar 2015<br \/>\n\u00a9 Santacruz International Communication <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\/\/ Wahrnehmung und Realit\u00e4t \/\/ Vor Kurzem las ich Africa39, eine Sammlung von Kurzgeschichten von 39 afrikanischen Autoren, von denen keiner \u00e4lter als 40 Jahre ist. Jede einzelne der Geschichten beeindruckte mich durch ihre ungew\u00f6hnliche Themenfindung abseits von dem, was man von afrikanischer Literatur gemeinhin erwartet. Africa39 ist nicht nur eine Anthologie brillant geschriebener Erz\u00e4hlungen, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":1131,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"page.php","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1137"}],"collection":[{"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1137"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1137\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1301,"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1137\/revisions\/1301"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1131"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1137"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}