{"id":1339,"date":"2015-04-20T12:08:16","date_gmt":"2015-04-20T10:08:16","guid":{"rendered":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/?page_id=1339"},"modified":"2015-04-20T12:35:29","modified_gmt":"2015-04-20T10:35:29","slug":"our-world-nineteen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/our-world-nineteen\/","title":{"rendered":"Our World Nineteen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-1343\" src=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/04\/Illu_KeeperofKnowledge-1.jpg\" alt=\"Kepper of Knowledge\" width=\"507\" height=\"325\" srcset=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/04\/Illu_KeeperofKnowledge-1.jpg 507w, http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/04\/Illu_KeeperofKnowledge-1-300x192.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 507px) 100vw, 507px\" \/><\/p>\n<h1><\/h1>\n<h1>\/\/ Wiege der Zivilisation: Irak aus der arch\u00e4ologischen Perspektive \/\/<\/h1>\n<h3>Vorgeschichte<\/h3>\n<p>Der Gedanke an das Land Irak ist eng mit seiner Geschichte verbunden: Es ist das Land der Hochkultur, der Erfindungen und der Entwicklung.<\/p>\n<p>Um 10 000 v. Chr. haben die Menschen im Zweistromland (die Region zwischen den Fl\u00fcssen Euphrat und Tigris) das Nomadenleben aufgegeben. Sie sind sesshaft geworden und haben angefangen, Landwirtschaft zu betreiben und sich zu spezialisieren. Die F\u00e4higkeiten Einzelner wurden zum Wohl der Gemeinschaft sowie zum eigenen Nutzen gezielt eingesetzt. Etwa ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. begann die Geschichte der Keilschriftkulturen. Fortan wurde auf Ton geschrieben. Die beschrifteten Tontafeln dienten damals als Kommunikationsmittel der altorientalischen Kultur und haben ihre Verbreitung erm\u00f6glicht.<\/p>\n<h3>Die Keilschrift<\/h3>\n<p>Die Keilschrift ist benannt nach den keilf\u00f6rmigen Eindr\u00fccken in Ton, aber auch in Stein, Metall, Wachs und andere Materialien. Zur Zeit der Sumerer und Akkader \u2013 wahrscheinlich in der Stadt Uruk \u2013 hatte man gegen Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. mit kleinen geformten und eingekerbten Tongebilden versucht, Zahlen und Rechnungen niederzuschreiben. Es kam zu einem entscheidenden Punkt der Schrifterfindung.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst bestand die Schrift aus Bildsymbolen, sp\u00e4ter wurde sie abstrakter. Geschrieben wurde auf feuchtem Ton und als Schreibinstrument wurde ein etwa 20 Zentimeter langer Griffel aus Schilfrohr mit scharfer Kante benutzt. Die Zeichen entstanden durch das Dr\u00fccken des Griffels in den feuchten Ton und markieren den Beginn der Sprache der Sumerer. Der sich ausdehnende Handel im 3. Jahrtausend v. Chr. f\u00fchrte zur Weiterentwicklung der Schrift. Die neu entstandene Schriftart wurde Keilschrift genannt. Sie wird von links nach rechts gelesen. Die Schrift diente urspr\u00fcnglich dazu, die staatliche Buchhaltung in einer immer komplexer werdenden Gesellschaft zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Es gab Schreibschulen und Lehrb\u00fccher zum Erlernen der Schrift. Die Keilschrift erreichte ihre Vollendung um 2600 v. Chr. Sp\u00e4ter wurde die Schrift auch in den Bereichen der Verwaltung und Wirtschaft und f\u00fcr Urkunden, Kaufvertr\u00e4ge, Briefe und andere Dokumente verwendet. Wichtig ist zu erw\u00e4hnen, dass nicht jeder lesen und schreiben konnte. Vor dem 2. Jahrtausend v. Chr. gab es im Zweistromland keine andere Sprache. Es wurde neben der sumerischen die akkadische Sprache gesprochen, die dann sp\u00e4ter zur Hauptsprache (Umgangssprache) wurde. Doch die sumerische Sprache blieb bis zur Zeitenwende die Sprache der Gelehrten. Mit der Sprache begann das Volk des Zweistromlandes die ersten Gesetzestexte der Welt zu schreiben.<\/p>\n<p>Der Codex Hammurapi ist eine der \u00e4ltesten Gesetzessammlungen, die je gefunden wurden und zugleich eines der besterhaltenen Exemplare dieser literarischen Gattung in Mesopotamien (Irak). Der Text umfasst 281 Paragraphen zu unterschiedlichen Bereichen: zum Beispiel Familien- und Erbrecht, K\u00f6rperverletzung, Haftung, Sklaven und Soldaten. Im Folgenden einige \u00fcbersetzte Beispiele der Rechtsspr\u00fcche: \u00a7195 besagt; \u201eWenn ein Sohn seinen Vater geschlagen hat, so schneidet man seine Hand ab\u201c oder \u00a7209 \u201eWenn ein B\u00fcrger eine B\u00fcrgertochter geschlagen und sie dadurch ihre Leibesfrucht verloren hat, so zahlt er 10 Sekel Silber f\u00fcr ihre Leibesfrucht\u201c, \u00a7210 \u201ewenn diese Frau stirbt, so t\u00f6tet man seine Tochter\u201c. Der Codex Hammurapi ist auf einem 2,25 m hohen schwarzen Basaltstein \u00fcberliefert, der heute im Louvre zu besichtigen ist. Die Schrift erleichterte die Verwaltung ganzer Imperien, und sie wurde in vielen Sprachen von Generation zu Generation weitergegeben.<\/p>\n<h3>Monumentalbauten<\/h3>\n<p>Das Zweistromland beherbergte viele K\u00f6nigreiche, dessen Hinterlassenschaften bis zu unserer heutigen Zeit zu sehen sind, darunter das der Sumerer, der Assyrer, der Babylonier und anderer Gro\u00dfm\u00e4chte.<\/p>\n<p>Neben den gro\u00dfen Zentren Uruk, Ninive und Babylon gab es zu allen Zeiten kleine Gemeinden, D\u00f6rfer und auch Einzelgeh\u00f6fte. Im S\u00fcdirak wurden die Reste der \u00e4ltesten Stadtmauer von Uruk aus der Zeit um 2700 v. Chr entdeckt. Innerhalb der Mauern lebten viele Menschen auf einer Fl\u00e4che von 5,5 Quadratkilometern organisiert miteinander. Daher k\u00f6nnen wir f\u00fcr diese Zeit schon den Begriff \u201eStadt\u201c benutzen.<\/p>\n<p>Ninive war eine der wichtigsten St\u00e4dte Assyriens im Norden des heutigen Irak, zuletzt unter der Herrschaft Sanheribs, der sie w\u00e4hrend seiner Regierungszeit von 704-681 v.Chr. zur Hauptstadt ernannte. In diesem Zeitraum erlebte die Stadt ihre Bl\u00fctezeit. 614 v. Chr., zur Zeit des neubabylonischen Reichs in Mesopotamien (Irak), vernichteten die Meder, zwei St\u00e4mme im Nordwesten Irans, und die Babylonier die Stadt Ninive vollst\u00e4ndig. Zwei Tells (H\u00fcgel) bildeten das 4,4 x 2,1 Kilometer gro\u00dfe Stadtgebiet, dessen Ruinen in der Neuzeit gefunden und ausgegraben wurden. Viele Ausgrabungsgegenst\u00e4nde wurden im National Museum of Irak und in verschiedenen Museen in Paris und London ausgestellt und somit tausenden Besuchern aus aller Welt zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n<p>Eine babylonische Stadt des 2. oder 1. Jahrtausends wird durch Gro\u00dfbauten wie Fortifikationen, Tempel und Pal\u00e4ste charakterisiert. Das Neubabylonische Reich erreichte seine Bl\u00fctezeit unter dem K\u00f6nig Nebukadnezar II (605 \u2013 562 v.Chr.). Die Stadt Babylon stellt ein prachtvolles Beispiel f\u00fcr die Zurschaustellung von Macht in der neubabylonischen Zeit dar. Aufgrund ihrer Gro\u00dfbauten wurde die Stadt als Weltwunder bezeichnet. Dies wird in tausenden von Keilschrifttexten belegt.<\/p>\n<p>Babylon war das kulturelle, \u00f6konomische und politische Zentrum der neubabylonischen Epoche. Die Ruine der Stadt liegt am Euphrat ca. 80 km s\u00fcdlich von Bagdad. Sie war eine der gr\u00f6\u00dften St\u00e4dte des Altertums mit einer ummauerten Fl\u00e4che von 890 Hektar. Bauten wie z. B. die m\u00e4chtigen Mauern mit den Heiligen Toren, der S\u00fcdpalast, die Ziqqurat (Etemenanki), Marduks Hauptheiligtum (Esangila) und das Stra\u00dfensystem charakterisierten die damalige Hauptstadt der Babylonier. Aufgrund tiefgreifender politischer Ver\u00e4nderungen im Osten Mesopotamiens und des religi\u00f6s motivierten Umzugs des babylonischen K\u00f6nigs Nabonid nach Teyma, ein Verehrungsort des Mondgottes Sin im heutigen Saudi-Arabien, konnte das persische Reich 539 v. Chr. die Stadt Babylon kampflos \u00fcbernehmen. Die Imperien, die das babylonische Reich abl\u00f6sten, waren das Hellenische und das Parthische Reich.<\/p>\n<p>Die Gesellschaft in Mesopotamien entwickelte sich damals nicht nur im Bereich der Sprache, mit der Geschichten und Gedichte schriftlich \u00fcberliefert wurden und im Bau gro\u00dfer St\u00e4dte, sondern auch im Bereich der Politik, Wirtschaft, Religion und Kunst. Auf diese Aspekte bin ich nicht eingegangen, weil man \u00fcber jeden einzelnen dieser Bereiche mehr als ein Buch schreiben k\u00f6nnte. Somit handelt es sich hierbei um meinen Versuch, Ihnen einen kleinen Einblick in die Geschichte Iraks, die mehrere Tausend Jahre zur\u00fcckreicht, aus der arch\u00e4ologischen Perspektive zu vermitteln.<\/p>\n<h3>Heute&#8230;<\/h3>\n<p>Im Irak hatten Aufst\u00e4nde, Embargos und Kriege w\u00e4hrend der letzten 100 Jahre einen gro\u00dfen Einfluss auf die irakische Gesellschaft. Die Menschen werden bis heute permanent durch Politik und Kriege in Atem gehalten. Sie hatten nie die M\u00f6glichkeit, sich umfassend mit ihrer eigenen Kultur auseinanderzusetzen. Es gab keine Kooperationen zwischen Museen und Schulen oder Universit\u00e4ten, und mit der Zeit ist das Interesse vieler Menschen an der eigenen Kultur in den Hintergrund ger\u00fcckt. Die sehenswerten, einmaligen arch\u00e4ologischen Funde f\u00fcllen die Museen in den Gro\u00dfst\u00e4dten. Vor allem im National Museum of Irak werden Funde ausgestellt, die man nirgendwo sonst sehen kann. Aber aufgrund der geschilderten Umst\u00e4nde wird das Museum bedauernswerterweise nur von einer sehr geringen Zahl von Einheimischen besucht.<\/p>\n<p>Auch historische St\u00e4dte sind sehr vernachl\u00e4ssigt worden. Zum Beispiel wurde w\u00e4hrend der Regierungszeit Saddam Husseins versucht, die Stadt Babylon wiederaufzubauen. Dies blieb nicht folgenlos: danach wurde die Stadt aus der Liste des Weltkulturerbes entfernt. Nicht nur diese Stadt, sondern noch viele weitere, die schutzlos im Freien stehen, sind davon betroffen. So wurden zum Beispiel die Kulturst\u00e4dte Nimrud und Ninive und das 1952 er\u00f6ffnete Museum in Mossul vor einigen Wochen vom sogenannten &#8222;islamischen Staat&#8220; zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Nicht nur ich, sondern viele Iraker, die im Land und im Ausland leben, haben den Wunsch, dass der Name Irak nicht mehr nur mit Kriegen und politischer Destabilisierung in Verbindung gebracht wird, damit das Land der Hochkultur wieder in altem Glanz erstrahlen und zum Ziel von Reisenden aus aller Welt werden kann.<\/p>\n<h3>Hussam Zahim Mohammed<\/h3>\n<blockquote><p>Hussam Zahim Mohammed wurde 1987 in Bagdad geboren. Er lebt seit 2006 in Berlin und studiert im Master Vorderasiatische Arch\u00e4ologie an der Freien Universit\u00e4t Berlin. Seit 2014 ist er Vorstandsmitglied des irakischen Kulturvereins \u201eAl Rafedain\u201c e. V. in Berlin. Er stammt aus einer Akademikerfamilie, in der Kultur sehr wertgesch\u00e4tzt wird. Er war an verschiedenen Projekten beteiligt, und aktuell arbeitet er in der T\u00fcrkei in einem von der Freien Universit\u00e4t Berlin gef\u00f6rderten Projekt (Nerik).<\/p><\/blockquote>\n<h3>Manuel Cabrera<\/h3>\n<blockquote><p>Manuel Cabrera wurde 1986 in Mexiko Stadt geboren. Er studierte Grafikdesign an der Universidad Iberoamericana. Zur Zeit arbeitet er als freischaffender Grafikdesigner und Illustrator, w\u00e4hrend er dabei ist, ein zweites Studium in Architektur zu beenden.<\/p><\/blockquote>\n<p>April\u00a02015<br \/>\n\u00a9 Santacruz International Communication<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\/\/ Wiege der Zivilisation: Irak aus der arch\u00e4ologischen Perspektive \/\/ Vorgeschichte Der Gedanke an das Land Irak ist eng mit seiner Geschichte verbunden: Es ist das Land der Hochkultur, der Erfindungen und der Entwicklung. Um 10 000 v. 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