{"id":1362,"date":"2015-05-19T11:18:12","date_gmt":"2015-05-19T09:18:12","guid":{"rendered":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/?page_id=1362"},"modified":"2015-05-20T15:30:05","modified_gmt":"2015-05-20T13:30:05","slug":"our-world-twenty","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/our-world-twenty\/","title":{"rendered":"Our World Twenty"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/05\/Illu_Bethevoice.jpg\" alt=\"Illu_Bethevoice\" width=\"507\" height=\"317\" class=\"alignleft size-full wp-image-1133\" \/><\/p>\n<h1><\/h1>\n<h1>\/\/ Rettet den \u201eVaquita\u201c, den Kalifornischen Schweinswal! \/\/<\/h1>\n<p>\u201eWenn es nur noch hundert von uns Menschen g\u00e4be, w\u00fcrde uns der Kalifornische Schweinswal helfen?\u201c Diese Frage stellte einer meiner Sch\u00fcler der vierten Klasse, als wir uns \u00fcber gef\u00e4hrdete Tierarten unterhielten.<\/p>\n<p>Die Kinder lernten \u00fcber Biodiversit\u00e4t und ihre Wechselbeziehungen und entschlossen sich dazu, sich f\u00fcr gef\u00e4hrdete Arten einzusetzen. Sie verkauften Wertstoffe wie recyclebares Papier, Pappe und Dosen und sammelten Spenden in der Schule. Die Kinder spendeten den Erl\u00f6s von 165 US-Dollar an den WWF (World Wildlife Fund) und \u00fcbernahmen die Patenschaft f\u00fcr ein Krokodil, einen Delfin und einen Rotfuchs.<\/p>\n<p>Der Kalifornische Schweinswal in Mexiko brauchte dringend ihre Hilfe. Was konnten sie tun? Sie baten Erwachsene, ihnen zu helfen. Der Vater eines der M\u00e4dchen bot uns an, seine Crowdfunding-Seite zu nutzen, um Spenden f\u00fcr Greenpeace zu sammeln. Daf\u00fcr mussten die Viertkl\u00e4ssler ein starkes Team bilden. Als erstes drehten sie ein Video, um f\u00fcr das Projekt Werbung zu machen. Vier Sch\u00fcler sprachen stellvertretend f\u00fcr die ganze Klasse, die sich gemeinsam f\u00fcr die Spendenaktion stark machte. Das Ziel war, 50.000 Pesos (3.500 US-Dollar) zu sammeln und an Greenpeace zu spenden. Die ganze Klasse war mit vollem Einsatz bei der Sache. Manche malten, manche t\u00f6pferten Skulpturen, manche entwarfen die Preise f\u00fcr die Spenden. Das Ergebnis war ein tolles Video, das auf der mexikanischen Crowdfunding-Plattform Fondeadora unter dem Titel \u201eRettet die Vaquita!\u201c hochgeladen wurde.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir an unserem Projekt arbeiteten, erfuhren wir, dass der mexikanische Pr\u00e4sident Enrique Pe\u00f1a Nieto am 16. April 2015 nach Baja California kommen w\u00fcrde. Die Kinder und ich schrieben Briefe an den Pr\u00e4sidenten, in denen wir unser Vorhaben beschrieben. Die Sch\u00fcler legten dar, wie sehr ihnen der Kalifornische Schweinswal am Herzen liegt und wie wichtig es ihnen sei, dass auch der Pr\u00e4sident sich f\u00fcr das \u00d6kosystem einsetzt.<\/p>\n<p>Das Video wurde auf der Website von Fondeadora hochgeladen, und die Online-Version der mexikanischen Zeitung Milenio berichtete dar\u00fcber an dem Tag, als der Pr\u00e4sident nach Baja California reiste.<\/p>\n<p>Schon nach vier Tagen hatten die Sch\u00fcler ihr Ziel erreicht! Die Gl\u00fccksgef\u00fchle und die Aufregung waren unbeschreiblich.<\/p>\n<p>Eine weitere Idee kam von den Eltern: Um das Projekt noch bekannter zu machen, traten acht Sch\u00fcler live in einer Radiosendung auf. Die vorhergehende Sendung handelte vom mexikanischen Umweltministerium SEMARNAT (Secretar\u00eda del Medio Ambiente y Recursos Naturales), und in der darauffolgenden Sendung ging es um Greenpeace.<\/p>\n<p>Ich gab ein Interview bei \u201eLa Entrevista Verde\u201d (\u201eDas gr\u00fcne Interview\u201c) auf RED AM Radio, und die Sch\u00fclergruppe wurde in die Fernsehsendung \u201eFrauen und Umweltschutz\u201c zu Green TV eingeladen, um auf die Bedeutung von pers\u00f6nlichem Engagement und die Verantwortung f\u00fcr die Artenvielfalt hinzuweisen.<\/p>\n<p>Die folgenden Informationen wurden von den Sch\u00fclern zusammengetragen und im Radio und im Fernsehen pr\u00e4sentiert:<\/p>\n<p>Der Vaquita ist mit einer L\u00e4nge von nur 1,5 m einer der kleinsten Wale der Welt. Seine Heimat ist der Golf von Kalifornien bei Baja California, auch Cortes-See genannt, nahe der M\u00fcndung des Colorado River. Der Kalifornische Schweinswal ist eine von sechs Arten von Schweinswalen und wahrscheinlich einer der niedlichsten Meeress\u00e4uger: Seine Augen sind dunkel umrandet, und auch um den Mund hat er eine dunklere F\u00e4rbung, die sich bis zu den Brustflossen zieht. Der R\u00fccken ist dunkelgrau, die Seiten hellgrau und der Bauch wei\u00df mit langen, hellgrauen Streifen. Vaquitas ern\u00e4hren sich von Meeresfischen wie dem Umberfisch, dem Bronzestreifen-Grunzer und Tintenfisch. Sie nutzen Echoortung, um miteinander zu kommunizieren und sich in den Gew\u00e4ssern des Golfs zu orientieren. Sie sind sehr unauff\u00e4llig und scheu und halten sich von Booten fern. Die Tiere werden im Alter von drei bis sechs Jahren geschlechtsreif, und die Weibchen bekommen etwa einmal alle zwei Jahre Nachwuchs. Nach zehn bis elf Monaten Tragezeit werden die meisten der K\u00e4lber im Fr\u00fchjahr geboren. Der Kalifornische Schweinswal wird bis zu 21 Jahre alt und h\u00e4lt sich meist in den flachen, ufernahen Bereichen des Golfs auf.<\/p>\n<p>Vaquitas werden nur selten gesichtet. Wenn, dann treten sie meist allein oder in kleineren Gruppen bis zu drei Tieren auf. Tragischerweise steht das S\u00e4ugetier sowohl in den USA als auch in Mexiko auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten und auf der Roten Liste gef\u00e4hrdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN). Die gef\u00e4hrliche Reduzierung des Bestands ist vornehmlich auf die Fischerei zur\u00fcckzuf\u00fchren, denn der Vaquita verf\u00e4ngt sich vor allem in Stellnetzen f\u00fcr Krabben oder Fisch. Pro Jahr sterben zwischen 39 und 84 Exemplare in Stellnetzen \u2013 diese Zahl ist in jedem Fall viel zu hoch. Kalifornische Schweinswale sind nicht das eigentliche Fangziel von Fischern. So wie einst der heute ausgestorbene chinesische Flussdelfin Baiji verf\u00e4ngt sich der Vaquita in den Netzen lokaler Fischer, die mit der Fischerei ihren Lebensunterhalt verdienen und ihre Familien ern\u00e4hren m\u00fcssen. Die Vaquitas sind also ein trauriger Kollateralschaden. Eine weitere Bedrohung stellt die stetig abnehmende Zufuhr von Wasser aus dem Colorado River in den Golf dar, die auf den steigenden Trinkwasserverbrauch im westlichen Teil der USA zur\u00fcckgeht. Das Flusswasser, das den Golf erreicht, ist hochgradig durch landwirtschaftliche Abw\u00e4sser verschmutzt und droht die chemische Zusammensetzung des Meerwassers im Golf zu ver\u00e4ndern. Ein weiterer Faktor, der zur Gef\u00e4hrdung der Meeress\u00e4uger beitr\u00e4gt, ist die illegale Fischerei des Umberfisches Totoaba.<\/p>\n<p>Es wurden Gesetze erlassen, Biosph\u00e4renreservate erschaffen, Spendensammlungen durchgef\u00fchrt \u2013 aber bis heute geht der Bestand der Vaquitas weiter zur\u00fcck. Dagegen setzen sich unter anderem folgende Organisationen ein: Earth Ocean, WWF (World Wildlife Fund), das mexikanische Institut f\u00fcr Umweltschutz INE, Whale Trackers, The Ocean Foundation, VeoVerde, Sea Shepherd Conservation Society, PROFEPA (Procuradur\u00eda Federal de Protecci\u00f3n al Ambiente), CEDO (Intercultural Center for the Study of Deserts and Oceans), SEMARNAT (Secretar\u00eda de Medio Ambiente y Recursos Naturales) , die mexikanische Marine (Armada de M\u00e9xico) und Greenpeace.<\/p>\n<p>Laut Aussagen von Greenpeace gibt es nur noch 97 Kalifornische Schweinswale. Im Jahr 1997 existierten noch 567 von ihnen. Der Baiji, auch bekannt als der Jangtse-Delfin, der ausschlie\u00dflich im Fluss Jangtse in China vorkam, wurde 2007 f\u00fcr ausgestorben erkl\u00e4rt und ist somit die erste Walart, die als Folge menschlichen Handelns in der Neuzeit ausgestorben ist.<\/p>\n<p>Die mexikanische Regierung hat einen Plan zur Rettung des Kalifornischen Schweinswals vorgelegt. Der Pr\u00e4sident Enrique Pe\u00f1a Nieto und der US-amerikanische Botschafter Anthony Wayne reisten am 16. April 2015 nach Baja California und erkl\u00e4rten, dass sie sich mit dem Ziel, die mexikanische Artenvielfalt zu erhalten, Seite an Seite f\u00fcr die Rettung der Vaquitas und des gesamten mexikanischen \u00d6kosystems einsetzen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Staatspr\u00e4sident Pe\u00f1a Nieto erlie\u00df ein zweij\u00e4hriges Fischereiverbot im Biosph\u00e4renreservat des Kalifornischen Schweinswals. Die Regierung verk\u00fcndete eine Strategie mit vier Komponenten. Das Biosph\u00e4renreservat des Kalifornischen Schweinswals wurde von 5600 km auf 11000 km ausgeweitet und erstreckt sich nun \u00fcber den gesamten Lebensraum des Meeress\u00e4ugers. Den Fischern werden finanzielle Entsch\u00e4digung und alternative Verdienstm\u00f6glichkeiten angeboten. Die mexikanische Marine soll nun vor den K\u00fcsten der Halbinsel Baja California die Einhaltung des Verbots \u00fcberwachen. Daf\u00fcr wurden eigens drei Defender FC-33-Schnellboote angeschafft. Die Armee wird die Marine bei der Entfernung der Stellnetze und dem Einsatz von nachhaltigen Netzen unterst\u00fctzen. Ein entscheidender Faktor bei der Rettung der Vaquitas ist die Beobachtung des Bestands \u00fcber den Zeitraum von zwei Jahren.<\/p>\n<p>Laut Pe\u00f1a Nieto nimmt Mexiko nur etwa ein Prozent der Erdoberfl\u00e4che ein, beherbergt aber zehn Prozent der weltweiten Artenvielfalt.<\/p>\n<p>Der amerikanische Botschafter Anthony Wayne berichtete von den Pl\u00e4nen des US-Pr\u00e4sidenten Barack Obama, den illegalen Fang von Totoabas zu bek\u00e4mpfen. Diese Fischart erzielt hohe Preise auf dem chinesischen Schwarzmarkt. Die Bek\u00e4mpfung des illegalen Handels mit freilebenden Tieren soll auch Pe\u00f1a Nietos Vorhaben unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Einen Tag nach der Bekanntmachung des Fischereiverbots wurden zwei Fischer beim illegalen Fang von Totoabas im Biosph\u00e4renreservat gefasst. Laut Zeitungsberichten bel\u00e4uft sich die Strafe f\u00fcr illegale Fischerei auf bis zu 3 Millionen mexikanische Pesos (200.000 US-Dollar) und zw\u00f6lf Jahre Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Entscheidend ist nun, die Unterst\u00fctzung der \u00d6ffentlichkeit zu gewinnen. Die Fischerei stellt immer noch die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr Wale dar: Tausende von Meeress\u00e4ugern sterben weltweit jedes Jahr durch Verschulden der Fischereiindustrie. Aber es ist noch nicht zu sp\u00e4t, unsere Erde zu retten!<\/p>\n<p>Mit der Unterst\u00fctzung von Lehrern und Eltern k\u00f6nnen auch zehnj\u00e4hrige Kinder viel bewegen! Es war wundervoll zu sehen, wie die Kinder mit ihrer Energie und ihrer Begeisterung f\u00fcr das Projekt auch ihr Umfeld und ihre Familien ansteckten. Was dieses Projekt in all seinen Aspekten so bedeutend machte, war die Arbeit an einem gemeinsamen Ziel.<\/p>\n<p>Das Zitat in dem Buch \u201eEine neue Erde\u201c von Eckhart Tolle passt perfekt zum Thema Umweltschutz und zum Leben im Allgemein: \u201eDas Universum ist ein unteilbares Ganzes, in dem alle Dinge miteinander verbunden sind und nichts f\u00fcr sich selbst existiert.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.vaquita.tv\" target=\"_blank\">www.vaquita.tv<\/a><\/p>\n<h3>Adriana Santacruz Moctezuma<\/h3>\n<blockquote><p>Adriana Santacruz Moctezuma hat einen Master in Erziehungswissenschaften von der Universidad del Valle de M\u00e9xico und arbeitet seit 30 Jahren als Englischlehrerin in ihrem Heimatland Mexiko. An verschiedenen Schulen unterrichtete sie alle Altersstufen, von Vorschulkindern bis hin zu Erwachsenen. Sie erlebte den Wandel von traditionellen Unterrichtsmethoden hin zur konstruktivistischen Didaktik und war Zeugin des technologischen Fortschritts. Ihrer \u00dcberzeugung nach sollten Lehrer ihren Sch\u00fclern Vorbilder sein und diese dazu ermutigen, eigenst\u00e4ndig Entscheidungen zu treffen. Um Konzepte zu vermitteln, greift Adriana Santacruz Moctezuma auf das Modell des Forschenden Lernens zur\u00fcck und regt ihre Sch\u00fcler so zum Nachdenken und Handeln an.<\/p><\/blockquote>\n<h3>Manuel Cabrera<\/h3>\n<blockquote><p>Manuel Cabrera wurde 1986 in Mexiko Stadt geboren. Er studierte Grafikdesign an der Universidad Iberoamericana. Zur Zeit arbeitet er als freischaffender Grafikdesigner und Illustrator, w\u00e4hrend er dabei ist, ein zweites Studium in Architektur zu beenden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mai\u00a02015<br \/>\n\u00a9 Santacruz International Communication<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\/\/ Rettet den \u201eVaquita\u201c, den Kalifornischen Schweinswal! \/\/ \u201eWenn es nur noch hundert von uns Menschen g\u00e4be, w\u00fcrde uns der Kalifornische Schweinswal helfen?\u201c Diese Frage stellte einer meiner Sch\u00fcler der vierten Klasse, als wir uns \u00fcber gef\u00e4hrdete Tierarten unterhielten. Die Kinder lernten \u00fcber Biodiversit\u00e4t und ihre Wechselbeziehungen und entschlossen sich dazu, sich f\u00fcr gef\u00e4hrdete Arten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":1385,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"page.php","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1362"}],"collection":[{"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1362"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1362\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1384,"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1362\/revisions\/1384"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1385"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1362"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}