{"id":1387,"date":"2015-06-15T14:45:08","date_gmt":"2015-06-15T12:45:08","guid":{"rendered":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/?page_id=1387"},"modified":"2015-06-23T12:16:50","modified_gmt":"2015-06-23T10:16:50","slug":"our-world-twenty-one","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/our-world-twenty-one\/","title":{"rendered":"Our world Twenty-One"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/06\/Illu_Acalltoaction.jpg\" alt=\"Illu_Acalltoaction\" width=\"507\" height=\"313\" class=\"alignleft size-full wp-image-1397\" srcset=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/06\/Illu_Acalltoaction.jpg 507w, http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/06\/Illu_Acalltoaction-300x185.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 507px) 100vw, 507px\" \/><\/p>\n<h1> \/\/ Russlands Platz in der modernen Weltordnung \/\/<\/h1>\n<p>Der Wandel des modernen Systems der internationalen Beziehungen geh\u00f6rt zu den viel diskutierten Themen unserer Zeit. Er basiert auf verschiedenen Meilensteinen wie dem Ausbau der globalen Kommunikationsnetzwerke, der Angleichung von kulturellen Werten und der Entwicklung eines \u201eGlobal Village\u201c, dem Anstieg der Macht der Marken in der postmodernen Wohlfahrts- und Konsumgesellschaft, usw. Wir sehen uns mit einer widerspr\u00fcchlichen Welt konfrontiert, die einerseits nach Einheit in der Vielfalt, Demokratie und weltweitem Wohlstand strebt, die aber andererseits von Konzepten der Macht, sei es Hard Power oder Soft Power, bestimmt ist. Dies definiert die Rolle der Akteure innerhalb des Systems der internationalen Beziehungen.<\/p>\n<p>Was macht ein System internationaler Beziehungen aus? Es ist eine komplexe Einheit, der mindestens drei Elemente zugrunde liegen: Akteure, Beziehungen zwischen den Akteuren und die \u00e4u\u00dferen Gegebenheiten, in denen diese Akteure miteinander in Kontakt treten. Heute geh\u00f6ren zu diesem System internationaler Beziehungen verschiedene Akteure (souver\u00e4ne Staaten, internationale Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, transnationale Unternehmen und manchmal sogar Einzelpersonen), die miteinander auf unterschiedliche Weise verbunden sind \u2013 wirtschaftlich, politisch, kulturell, milit\u00e4risch \u2013 und die sich in einer bestimmten \u00c4ra etablieren.<\/p>\n<p>All diese Akteure innerhalb ihres Beziehungsnetzwerks stellen das System internationaler Beziehungen oder die globale Weltordnung dar. Dieses System hat Merkmale, die in manchen F\u00e4llen strukturiert und definiert sind. H\u00e4ufig sind sie jedoch vage und befinden sich im \u00dcbergang. Das System ist nicht statisch. Es ist ein lebendiger Organismus, der sich entwickelt und seine Form \u00e4ndert und dabei den Status quo der internationalen Beziehungen widerspiegelt.<br \/>\nDie Konstellationen dieser Weltordnung \u00e4nderten im Laufe der Geschichte oft ihre Gestalt und schwankten zwischen bilateral, unilateral oder multilateral. Der letzte gro\u00dfe Wandel vollzog sich nach dem Niedergang der UdSSR, der das Ende des Kalten Krieges und somit der Bilateralit\u00e4t in den internationalen Beziehungen markierte, in der zwei Superm\u00e4chte die Weltordnung definierten. <\/p>\n<p>Nach dem Zusammenbruch dieses einen Pols wurde das System ein unilaterales. Die USA verblieben als alleinige Supermacht. Russland wurde zum sprichw\u00f6rtlichen Koloss auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen \u2013 mit schwieriger Vergangenheit und unvorhersehbarer Zukunft. Orientierungslosigkeit in einer Gesellschaft, die f\u00fcr Jahrzehnte den Traum einer kommunistischen Utopie lebte, unbestimmtes Handeln der politischen Eliten zwischen Unterw\u00fcrfigkeit und zaghaften Versuchen, nationale Interessen zu sch\u00fctzen, st\u00e4ndiger Ausnahmezustand mit v\u00f6lliger Freiz\u00fcgigkeit einerseits und Hexenjagd andererseits \u2013 all diese Faktoren trugen zum Niedergang der russischen Macht und dem Verlust seiner Rolle als Global Player bei.<\/p>\n<p>Ein Wandel in der russischen Selbstwahrnehmung wurde erst mit Beginn des neuen Jahrtausends eingel\u00e4utet. Die Regierung begann unter Wladimir Putin, die Rolle Russlands in der globalisierten Welt zu \u00fcberdenken und eine neue Position zu definieren. Ein solches Vorhaben l\u00e4sst sich aber nicht innerhalb eines Jahres und auch nicht innerhalb von zehn Jahren realisieren. Es ist ein langwieriges strategisches Projekt, das als nationale Priorit\u00e4t betrachtet werden muss.<br \/>\nDie Definition der Rolle eines Landes auf der globalen B\u00fchne ist verbunden mit den existentiellen Fragen seiner Identit\u00e4t und nationalen Ideologie. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion blieb Russland ideologisch \u201enackt\u201c zur\u00fcck. Die Mission des Landes als Sowjetunion war nicht mehr vorhanden. Dies hinterlie\u00df eine L\u00fccke, die sich mit klassischen Identit\u00e4tsfragen f\u00fcllte: F\u00fchlen wir uns dem Osten oder dem Westen zugeh\u00f6rig? Was ist unsere nationale Ideologie? Wo sehen wir uns in 20 oder 30 Jahren?<\/p>\n<p>Das moderne Russland sieht seine Aufgabe darin, auf internationaler Ebene Bedeutung zur\u00fcckzugewinnen. Heute hat Russland der internationalen Gemeinschaft jedoch wesentlich weniger zu bieten. Abgesehen von \u00d6l werden keine international anerkannten Marken exportiert. Nat\u00fcrlich ist Russland ber\u00fchmt f\u00fcr sein kulturelles Erbe. Das Land kann jedoch nicht allein auf Errungenschaften der Vergangenheit vertrauen und sich fortw\u00e4hrend auf das symbolische Kapital von Tolstoi, Dostojewski, dem Russischen Ballett, Sputnik und Gagarin berufen.<\/p>\n<p>Zudem vertraut Russland immer noch zu sehr auf Hard Power, die unmittelbare Ergebnisse erzielt und dem Rest der Welt zeigt, wer der \u201eChef\u201c ist. Es scheint, als h\u00e4tten die russischen Eliten Moskau als \u201eDrittes Rom\u201c wiederauferstehen lassen: das m\u00e4chtige Zentrum der Weltpolitik. Aber ist dieser Gedanke heute noch g\u00fcltig?<br \/>\nDie Autorin ist der Meinung, dass Russland nicht danach streben sollte, ein Drittes Rom zu werden \u2013 ein enormes Reich und wichtiger Global Player \u2013, sondern eher ein zweites antikes Griechenland, Zentrum orthodoxer Kultur, Wissenschaft und Innovation. Russland sollte seine bedeutende Stellung als kultureller Mittelpunkt der panslawischen Welt wiedererlangen und seine geopolitische Bedeutung im postsowjetischen Raum wiederherstellen.<\/p>\n<p>Russland hat im Moment keinen Einfluss mehr auf diesen Raum, viele der postsowjetischen Staaten f\u00fchlen sich zum Westen hingezogen. Die Anziehungskraft des Westens ist so gro\u00df, weil diese Gemeinschaft die sowjetische Vergangenheit beseitigen und durch eine westlich orientierte Zukunft ersetzen m\u00f6chte. Dieser Wunsch nimmt immer mehr zu, da der Westen viel zu bieten hat. Eine m\u00f6gliche EU-Mitgliedschaft wird als h\u00f6herwertig empfunden als die Zugeh\u00f6rigkeit zu den GUS-Staaten.<br \/>\nRussland besitzt jedoch noch etwas Einfluss im post-sowjetischen Raum. Anstatt zu wachsen, wird dieser aber stetig schw\u00e4cher. Im Moment sollte Russland seine Ambitionen, globaler Akteur zu werden, zur\u00fcckstellen und sich zun\u00e4chst darauf konzentrieren, seine Rolle als Meinungsf\u00fchrer auf regionaler Ebene wieder zu etablieren. Dieser F\u00fchrungsanspruch sollte auf kultureller Identit\u00e4t begr\u00fcndet sein, auf gemeinsamer Geschichte und gemeinsamem symbolischen Kapital. Russland sollte \u00fcber den Einsatz von Soft Power nachdenken und sich als starkes kulturelles Zentrum positionieren, das anderen L\u00e4ndern attraktive Werte und kulturelle und wissenschaftliche Erfolge bietet.<\/p>\n<p>Zusammen mit dem kulturellen Element sollte Russland versuchen, der postsowjetischen regionalen Gemeinschaft ein attraktives Projekt zu bieten, das eine Alternative zu dem darstellen k\u00f6nnte, was die Europ\u00e4ische Union und der Westen zu bieten haben. Es k\u00f6nnten neukonfigurierte GUS-Staaten sein. Diesmal jedoch keine Gemeinschaft unabh\u00e4ngiger Staaten, sondern eine Union mit weitgreifender wirtschaftlicher Integration, Sicherheitszusammenarbeit und kulturellem Austausch. Russland k\u00f6nnte das vereinende Element sein und proaktiver Gestalter eines stabilen Zusammenschlusses, der die nationalen Interessen des Landes und anderer Mitglieder der Gemeinschaft sch\u00fctzen und ihnen allen eine starke Stimme in der globalen Arena sichern k\u00f6nnte.<\/p>\n<h3>Olga Hauer-Tyukarkina<\/h3>\n<blockquote><p>Olga Hauer-Tyukarkina wurde 1988 in Russland geboren. Sie hat einen Doktortitel in Politikwissenschaften der Moscow State University, wo sie derzeit Vorlesungen zu politischer Konfliktforschung und \u00f6ffentlicher Diplomatie an der politikwissenschaftlichen Fakult\u00e4t h\u00e4lt. Sie hat zahlreiche Artikel und B\u00fccher publiziert und ist erfahrene Kommunikations- und PR-Managerin.<\/p><\/blockquote>\n<h3>Manuel Cabrera<\/h3>\n<blockquote><p>Manuel Cabrera wurde 1986 in Mexiko Stadt geboren. Er studierte Grafikdesign an der Universidad Iberoamericana. Zur Zeit arbeitet er als freischaffender Grafikdesigner und Illustrator, w\u00e4hrend er dabei ist, ein zweites Studium in Architektur zu beenden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Juni 2015<br \/>\n\u00a9 Santacruz International Communication<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\/\/ Russlands Platz in der modernen Weltordnung \/\/ Der Wandel des modernen Systems der internationalen Beziehungen geh\u00f6rt zu den viel diskutierten Themen unserer Zeit. 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