{"id":1407,"date":"2015-08-19T11:46:45","date_gmt":"2015-08-19T09:46:45","guid":{"rendered":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/?page_id=1407"},"modified":"2015-08-19T11:51:08","modified_gmt":"2015-08-19T09:51:08","slug":"our-world-twenty-three","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/our-world-twenty-three\/","title":{"rendered":"Our World Twenty-Three"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/08\/Illu_Quetzalcoatl.jpg\" alt=\"Illu_Quetzalcoatl\" width=\"507\" height=\"314\" class=\"alignleft size-full wp-image-1413\" srcset=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/08\/Illu_Quetzalcoatl.jpg 507w, http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/08\/Illu_Quetzalcoatl-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 507px) 100vw, 507px\" \/><\/p>\n<h1> \/\/ Design in Mexiko \/\/<\/h1>\n<p>Noch vor wenigen Jahren war Design in Mexiko reines Luxusgut, doch mittlerweile l\u00e4sst sich seine Demokratisierung beobachten. Im Laufe des 20. Jahrhunderts gab es nur wenige Experten f\u00fcr Design bzw. angewandte Kunst, die sich \u00fcber das rein Praktische erhoben und gewisse Errungenschaften vorweisen konnten. Im Bereich der modernen Architektur sind hier Mathias Goeritz, Mario Pani und Luis Barrag\u00e1n zu nennen. Don S. Shoemaker, ein US-Amerikaner, der sich in Morelia (Michoac\u00e1n) niederlie\u00df und dort die Firma Se\u00f1al gr\u00fcndete, tat sich als M\u00f6beldesigner hervor. In Monterrey im Norden des Landes hat sich die Firma La Malinche mit Anlehnungen an skandinavische Designs einen Namen gemacht. <\/p>\n<p>Mit der Verbreitung des Internet und der damit einhergehenden \u00dcberwindung von Distanzen erlebte Mexiko einen nie dagewesenen Schub im Bereich des Designs \u2013 angefangen bei Mode und Grafik, \u00fcber Automobildesign bis hin zu Architektur. Der gr\u00f6\u00dfte Flughafen des Kontinents, Autos, Fahrr\u00e4der, Schmuck, Videospiele, Drohnen \u2013 in Mexiko wird heute fast alles entworfen. Lediglich in der Haute Couture und einigen anderen Nischen ist Mexiko noch nicht so weit. Die Herausforderung in den kommenden Jahren sind nun Feinschliff und Professionalisierung einiger Branchen, die sich der Nachahmung ausl\u00e4ndischer Vorbilder widmen oder sich in wenig erfreulichen Klischees verlieren. <\/p>\n<p>Der Siegeszug des Designs ist keineswegs auf die Hauptstadt beschr\u00e4nkt. Ganz im Gegenteil: Im ganzen Land entstehen neue Initiativen und Projekte. So erlebt zum Beispiel Monterrey einen richtiggehenden Boom in Sachen Grafikdesign, und wohlhabende Kunden lassen ihre H\u00e4user von Star-Architekten wie Tadao Ando oder C\u00e9sar Pelli entwerfen. Erst k\u00fcrzlich wurde der Bau einer Wohnsiedlung am Stadtrand von Monterrey nach Entw\u00fcrfen von Zaha Hadid angek\u00fcndigt.  Bezeichnenderweise zog es einen gro\u00dfen Teil der kreativen Klasse von Monterrey in die Hauptstadt, um dort Kunstmessen, Bars und spezialisierte Buchhandlungen zu er\u00f6ffnen. <\/p>\n<p>Auch Tijuana ist von gro\u00dfer Bedeutung. Die Kunst- und Kulturszene der Stadt wird ma\u00dfgeblich von ihrer N\u00e4he zu den USA gepr\u00e4gt. In Le\u00f3n (Guanajuato) wurde vor kurzem ein Kulturzentrum nach einem Entwurf von I. M. Pei gebaut. Design-Hotels schie\u00dfen wie Pilze aus dem Boden, und man trifft auf unterschiedlichste Entw\u00fcrfe in so verschiedenen Orten wie Campeche, Guadalajara oder Puebla, und auch in indigenen Gemeinschaften, vor allem den Huicholen. So wurde eine neue \u00c4ra eingel\u00e4utet, in der das traditionelle indigene Kunsthandwerk durch die Arbeiten namhafter Designer neue H\u00f6hen erreichte. Der Markt wurde internationaler und \u00f6ffnete Kan\u00e4le f\u00fcr ehemalige Nischen, sogar im Luxus-Segment, was zuvor unwahrscheinlich erschien.<\/p>\n<p>Im akademischen Bereich gab es einen beachtlichen Sprung nach vorne durch die Er\u00f6ffnung neuer Studieng\u00e4nge und Hochschulen, die sich den unterschiedlichen Bereichen von Design widmen, sowie neue Berufslaufbahnen. Austauschprogramme mit ausl\u00e4ndischen Institutionen haben den Erfahrungsaustausch angeregt, aber auch zu etwas gef\u00fchrt, was Robert Louis Stevenson vor 150 Jahren als die undifferenzierte Aneignung von Modellen beschrieb, die nicht immer optimal in unserem Kontext funktionieren. Mit einer Anpassung an lokale Gegebenheiten ist es hier nicht allein getan. <\/p>\n<p>Medien und Kritiker haben sich tiefgreifend mit der Thematik befasst. Es gibt mittlerweile zahlreiche Fachzeitschriften in digitaler sowie gedruckter Form, die das gesamte Spektrum der Design-Bereiche abdecken, wenngleich mit unterschiedlichen Ergebnissen. Als Herausgeber der j\u00fcngsten digitalen Plattform f\u00fcr Design, Kunst und Architektur in spanischer Sprache, designboom espa\u00f1ol, bin ich der Meinung, dass es unserer Branche noch an Professionalisierung mangelt. Es ist keine leichte Aufgabe, gute Teams zusammenzustellen, die mangelnden Rechtschreibkenntnisse k\u00f6nnen furchteinfl\u00f6\u00dfend sein, aber der Nachwuchs legt einen beeindruckenden Enthusiasmus an den Tag. Die Millenials sind dank sozialer Netzwerke und der Unmittelbarkeit der Kommunikation immer direkt am Puls der Zeit. Mittlerweile gibt es hierzulande auch Marken zu kaufen, die man zuvor nur in Europa oder den USA bekommen hat. <\/p>\n<p>M\u00fcsste ich drei Bereiche nennen, f\u00fcr die ich mir mehr kreatives Engagement w\u00fcnsche, w\u00fcrde ich ernsthaft als erstes die Haute Couture ausw\u00e4hlen \u2013 hier fehlt noch einiges an Expertise, Erfahrung und Raum zur Entfaltung f\u00fcr Talent. Weiterhin w\u00fcnsche ich mir mehr Kreativit\u00e4t im Radio \u2013 immer noch folgen wir sklavisch dem hohlen Geschw\u00e4tz der Moderatoren und ihren immer gleichen Musik-Hits. Zuletzt w\u00e4re die schon angesprochene redaktionelle T\u00e4tigkeit zu nennen. Man k\u00f6nnte nun vielleicht fragen, warum ich nicht das Fernsehen zuerst ver\u00e4ndern m\u00f6chte. Vielleicht w\u00e4re das sinnvoll, aber man darf auch nicht vergessen, dass in Mexiko das Fernsehen und sein meistgesch\u00e4tztes Format, die Telenovela, aus dem Radio und der Radionovela hervorgegangen sind. K\u00f6nnen wir uns einen neuen Horizont f\u00fcr das Radio, der uns vom \u00dcberdruss des Fernsehens befreit, \u00fcberhaupt vorstellen? Vielleicht kommt die Ver\u00e4nderung durch \u00e4u\u00dferen Druck, denn das Fernsehen verliert immer mehr Zuschauer und wird peu \u00e0 peu durch mobile Ger\u00e4te ersetzt, die Videos aus dem Netz wiedergeben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Noch steht der Ausbau des E-Commerce im Bereich Design aus. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt daf\u00fcr \u2013 das zeigen die j\u00fcngsten Initiativen aus Europa, wie beispielsweise der brandneue Online-Shop des englischen Magazins Wallpaper*. Kommenden Herbst feiert eine neue Messe f\u00fcr Fotografie in Mexiko ihre Premiere und untermauert den Eindruck, den Besucher des Landes gewinnen: Hier passiert etwas au\u00dfergew\u00f6hnliches, und die Szene ist quicklebendig. <\/p>\n<h3>Enrique Garc\u00eda<\/h3>\n<blockquote><p> Enrique Garc\u00eda de la Garza (geboren 1979 in Monterrey, Mexiko) promovierte in Berlin zum Thema Aristoteles nach seinem Studium der Philosophie in Mexiko. Unter anderem schrieb er f\u00fcr die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, das ZEITmagazin und Weltkunst. Seit 2011 lebt er in Mexiko und war dort als Herausgeber der Zeitschrift Letras Libres t\u00e4tig. Derzeit leitet er designboom espa\u00f1ol, die spanischsprachige Ausgabe der renommierten digitalen Plattform f\u00fcr Kunst und Design, designboom. Au\u00dferdem arbeitet er als freier Autor und \u00dcbersetzer f\u00fcr wissenschaftliche Texte, Essays und Romane unter anderem f\u00fcr El Colegio de M\u00e9xico, Oc\u00e9ano und Herder.<\/p><\/blockquote>\n<h3>Manuel Cabrera<\/h3>\n<blockquote><p>Manuel Cabrera wurde 1986 in Mexiko Stadt geboren. Er studierte Grafikdesign an der Universidad Iberoamericana. Zur Zeit arbeitet er als freischaffender Grafikdesigner und Illustrator, w\u00e4hrend er dabei ist, ein zweites Studium in Architektur zu beenden.<\/p><\/blockquote>\n<p>August 2015<br \/>\n\u00a9 Santacruz International Communication<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\/\/ Design in Mexiko \/\/ Noch vor wenigen Jahren war Design in Mexiko reines Luxusgut, doch mittlerweile l\u00e4sst sich seine Demokratisierung beobachten. Im Laufe des 20. Jahrhunderts gab es nur wenige Experten f\u00fcr Design bzw. angewandte Kunst, die sich \u00fcber das rein Praktische erhoben und gewisse Errungenschaften vorweisen konnten. 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