{"id":654,"date":"2013-09-27T01:00:19","date_gmt":"2013-09-27T01:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/?page_id=654"},"modified":"2015-04-18T09:23:40","modified_gmt":"2015-04-18T07:23:40","slug":"our-world-one","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/our-world-one\/","title":{"rendered":"Our World One"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/09\/Illustration_1.jpg\" alt=\"Illustration_1\" width=\"507\" height=\"340\" class=\"alignnone size-full wp-image-686\" srcset=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/09\/Illustration_1.jpg 507w, http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/09\/Illustration_1-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 507px) 100vw, 507px\" \/><\/p>\n<h1>\/\/ Indigene V\u00f6lker und digitale Technologien: Ann\u00e4herungspunkte von Kulturen im Umbruch \/\/<\/h1>\n<p>Mexiko ist eines der L\u00e4nder mit der gr\u00f6\u00dften biologischen und sozialen Vielfalt in der Welt. Dies trifft vor allem auf die indigenen V\u00f6lker zu: 62 Ethnien gibt es allein in Mexiko. Die Kultur dieser V\u00f6lker beruht auf einer engen Verbindung zur Erde und die biologische Vielfalt kann nur bestehen, wenn es gleichzeitig auch Hunderte Formen gibt, die Erde und ihre Fr\u00fcchte zu betrachten. Es ist eine eng vernetzte Beziehung, deren Partner sich wechselseitig beeinflussen und die uns zeigt, dass die Vielfalt in Mexiko ihre Wurzeln in der Erde hat. <\/p>\n<p>In Lateinamerika gibt es mehr als 60 Millionen Ureinwohner, mit Peru, Bolivien, Ecuador, Guatemala und Mexiko als L\u00e4nder mit der gr\u00f6\u00dften indigenen Bev\u00f6lkerung. Das Land hat 14,2 Millionen Ureinwohner, die 68 Sprachen und 364 Dialekte sprechen. Aber diese Bev\u00f6lkerung verschwindet mit der Zeit. Dies liegt an der anhaltenden Migration der indigenen Bev\u00f6lkerung in andere Regionen, weg von ihren urspr\u00fcnglichen Gemeinden, teilweise auch ins Ausland (meist Vereinigte Staaten oder Kanada). <\/p>\n<p>In diesem Beitrag soll dargestellt werden, wie diese kulturelle und sprachliche Vielfalt im 21. Jahrhundert bestehen kann und \u00fcberlebt und welche Rolle digitale Technologien in diesem Zusammenhang spielen. <\/p>\n<p>Die indigenen V\u00f6lker Mexikos sind die Nachfahren der Ureinwohner Amerikas. Ihre Stammesgeschichten sind die der V\u00f6lker, die vor der Ankunft der Spanier existierten und sie sehen sich selbst als indigene Bev\u00f6lkerung. Sie leben in Gemeinschaften, die eine enge Beziehung zur Natur haben. Sie sind anerkannte Gemeinschaften, sprechen eine oder mehrere indigene Sprachen und leiden fast immer unter sozialer Ausgrenzung.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt aller indigenen Kulturen steht der Kontakt mit Mutter Erde. Daraus entstanden auch die Weltanschauungen dieser V\u00f6lker, verschmolzen aus religi\u00f6sen Ansichten, phantastischen, kosmogonischen Welten sowie wissenschaftlichen und magischen Ans\u00e4tzen. Die Weltanschauung ist eine Art die Welt zu sehen und zu verstehen.<\/p>\n<p>Es gibt so viele Weltanschauungen wie indigene V\u00f6lker. Doch bisher hat noch keine Theorie deren Logik erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Es gibt gemeinsame Ideen und Prinzipien, die sich aber dennoch von Kultur zu Kultur unterscheiden. Fray Bernardino de Sahag\u00fan schrieb im sechzehnten Jahrhundert dazu: &#8222;Solch Hingabe und solch Macht der Magie ist erstaunlich und unglaublich. (&#8230;) Die Sch\u00f6nheit jedes einzelnen Rituals hat eine schwindelerregende Kraft&#8220;.<\/p>\n<p>Das Merkmal indigener V\u00f6lker ist das traditionelle Wissen. Es wird m\u00fcndlich von Generation zu Generation \u00fcberliefert, ver\u00e4ndert sich und passt sich den Anforderungen der modernen Zeit an. Das Wissen dieser V\u00f6lker ist umfangreich und besitzt durchaus Aktualit\u00e4t. Es finden sich Heilmittel f\u00fcr Krankheiten und Mittel zum Schutz und zur Bewahrung der Umwelt. Dieses Wissen wird weltweit anerkannt und dies ist der Grund daf\u00fcr, dass Entwicklung und Verbreitung des Wissens mit einigem Misstrauen gesch\u00fctzt werden. <\/p>\n<p>Indigene Sprachen sind somit Garantie daf\u00fcr, dass dieses traditionelle Wissen gesch\u00fctzt, gefestigt und an j\u00fcngere Generationen weitergegeben wird. Digitale Technologien spielen dabei eine wesentliche Rolle.<\/p>\n<p>Um den Umgang mit diesen Medien in indigenen Gemeinden zu verstehen, m\u00fcssen wir zuerst sehen, dass Netzgeneration, Systematisierung und Verbreitung von Informationen (Wissen) signifikant anders als in westlichen L\u00e4ndern vonstatten geht. Das Internet ist ein Ort, an dem indigene V\u00f6lker ihre eigenen Informationen mit ihren kommunikativen Mitteln ausdr\u00fccken. Diese entstehen aus Weltanschauungen und dem ganzheitlichen Denken, bei dem jeder Teil eng mit dem anderen verbunden ist. Folglich sind Information und Kommunikation Bestandteil und Gesamtheit des Ganzen: Land, Landwirtschaft, Erziehung, Kunst, Produktion, Rituale, G\u00f6tter, Wissen, Gemeinschaft und Gemeinsamkeit (1). Wenn wir also den Grad der Vernetzung und die Weltanschauung der indigenen V\u00f6lker als Ausgangspunkt nehmen, k\u00f6nnen wir deren Umgang mit den Medien besser verstehen. <\/p>\n<p>Ein zweites wichtiges Element ist die m\u00fcndlich \u00fcbermittelte Kultur. Dies findet mit Hilfe zweier Kan\u00e4le statt: Radio und Video (sog. videos comunitarios, die von der Gemeinde zur Verf\u00fcgung gestellt werden). Die Botschaften werden von f\u00fcr die Kommunikation Verantwortlichen in den Gemeinden aufgezeichnet. Journalisten und Antropologen haben nur eingeschr\u00e4nkt Zugang dazu. Das traditionelle Wissen ist heilig, es darf damit kein Handel betrieben werden. So gibt es unter anderem Inhalte, die nur Mitgliedern der Gemeinde zug\u00e4nglich sind.<\/p>\n<p>Radio ist das Medium, das der Gemeinschaft Leben schenkt, es vernetzt und st\u00e4rkt die Sprachen der indigenen V\u00f6lker. In Mexiko gibt es zwei Arten von Radiosendern: das \u00f6ffentliche und private Radiostationen sowie die Radiosender der Gemeinden, die den indigenen Gemeinden selbst geh\u00f6ren, deren Betriebsgenehmigungen teilweise noch anh\u00e4ngig sind. Diese Radiosender arbeiten anders als \u00f6ffentliche Sender, da das Programm in den Gemeinden selbst erstellt und produziert wird, mit ihren eigenen finanziellen Mitteln und einem breiten Meinungsspektrum.<\/p>\n<p>Das Internet ist eines der \u00fcberraschenden Kapitel in der Geschichte der indigenen V\u00f6lker im 21. Jahrhundert. Es stellt sich die Frage, wie, wann, warum und mit welchen Mitteln das Netz generiert und zugeteilt wird. F\u00e4lschlicherweise denkt man h\u00e4ufig, dass sie keinen Zugang zu digitalen Medien haben, da sie in Armut und Ausgrenzung leben. Man sollte aber nicht vergessen, dass die Mitglieder indigener Bev\u00f6lkerung oft Migranten sind \u2013 in Los Angeles zum Beispiel leben fast genauso viele B\u00fcrger aus Oaxaca wie in dem mexikanischen Bundesstaat selbst. Sie sind Weltb\u00fcrger, verlieren aber nie Kontakt zu ihrer Heimat. Das Internet hilft ihnen, \u00fcber Grenzen zu kommunizieren, tr\u00e4gt aber auch dazu bei, Kontakte mit Angeh\u00f6rigen indigener Gruppen auf dem ganzen Kontinent zu kn\u00fcpfen, von den Inuit aus Alaska bis zu den Mapuche und Guaran\u00ed, die in Chile und Argentinien leben.<\/p>\n<p>Das Internet erf\u00fcllt eine wesentliche Funktion, die komplement\u00e4r zum Radio ist: Bewahrung und Verbreitung des eigenen Gedankenguts im Gegensatz zu der Version der staatlichen Medien. Die neuen Medien sind also flexibel und passen sich an die Bed\u00fcrnisse der Gemeinden an. Der Einzugsbereich von Radiosendern, ob von MW, Satellit oder WiFi \u00fcbertragen, l\u00e4sst sich an eine Region und ihre Grenzen anpassen, die von Kultur und Sprache geformt sind (im Unterschied offiziellen territorialen Grenzziehungen). Vor allem aber l\u00e4sst sich eine Mischung von \u00dcbertragungswegen erzielen, um eine Botschaft in k\u00fcrzester Zeit von einem Punkt zum anderen zu senden. So k\u00f6nnte sie per Pferd oder Esel zur n\u00e4chsten Radiostation gebracht werden, wo sie per Computer bearbeitet werden kann, um dann schlie\u00dflich in einer amerikanischen Stadt via Satellit geh\u00f6rt zu werden. \u00dcbertragungsrouten und -strategien, die die Gemeinden zusammenstellen, sind f\u00fcr jede Botschaft individuell. YouTube-Videos, Skype-Telefonate, eigene Webseiten und soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sind die digitalen Technologien, die am meisten benutzt werden.<\/p>\n<p>Besonders bedeutend ist das Potential, das das Internet bietet, auf einer eigenen Seite seine Identit\u00e4t und Themen selbst erstellen und darstellen zu k\u00f6nnen. Im Gegensatz zu Radio und Video werden in diesem Medium die Inhalte in Spanisch und Englisch verfasst, um Grenzen zu \u00fcberschreiten und eigene Ansichten von Identit\u00e4t, Kultur und Produkten zu verbreiten. Die m\u00fcndliche Kommunikation bleibt insofern wichtig als auf manchen Webseiten Radiobeitr\u00e4ge oder Podcasts zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Zudem findet man auch kleinere Texte und Gedanken in den indigenen Sprachen niedergeschrieben.<\/p>\n<p>Einer der gr\u00f6\u00dften Nutzen digitaler Technologien f\u00fcr indigene V\u00f6lker ist die Tatsache, dass ihre Sprachen geschrieben werden, teilweise zum ersten Mal. Dies hat es m\u00f6glich gemacht, die Sprachen aufzuzeichnen und \u00dcberleben und Festigung zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zur St\u00e4rkung dieser Identit\u00e4ten bieten diese Webseiten die M\u00f6glichkeit, die Regionen und deren Produkte vorzustellen: Textilien, Kaffee, Honig, Kunst und Handwerk. So erh\u00f6hen die indigenen V\u00f6lker ihre Unabh\u00e4ngigkeit, ihre Internationalisierung und die M\u00f6glichkeiten, ihre Produkte ohne Zwischenh\u00e4ndler zu verkaufen.<\/p>\n<p>Die Nutzung sozialer Netzwerke durch Gemeinden und Organisationen dient dazu, Netze zum lokalen, nationalen und internationalen Austausch auszubauen. <\/p>\n<p>Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Einsatz von digitalen Technologien durch indigene V\u00f6lker in Mexiko und Lateinamerika eine vielversprechende Entwicklung zur Schaffung und St\u00e4rkung ihrer Identit\u00e4ten sind. Die Mundarten und Sprachen werden durch W\u00f6rterb\u00fccher, Songs und Videos auf YouTube verbreitet, es entstehen Webseiten der Gemeinden und Bev\u00f6lkerungsgruppen. Diese erm\u00f6glichen es, die Volksst\u00e4mme kennenzulernen und ihr traditionelles Wissen durch die Digitalisierung von Archiven und Erfahrungen zu bewahren. Durch diese Entwicklungen k\u00f6nnen ganze Netzwerke indigener V\u00f6lker in Mexiko und ganz Amerika erstellt werden. Nach 500 Jahren Isolation und begrenzter Kommunikation ist dies eine beachtliche Entwicklung.<\/p>\n<h3>Quellen<\/h3>\n<blockquote><p>Fray Bernardino de Sahag\u00fan (1935). Historia general de las cosas de Nueva Espa\u00f1a. Madrid. Editorial Pedro Robledo.<\/a><\/p><\/blockquote>\n<h3>Internetquellen<\/h3>\n<blockquote><p>Instituto Nacional de las Lenguas Ind\u00edgenas<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.inali.gob.mx\" target=\"_blank\">http:\/\/www.inali.gob.mx<\/a><\/p>\n<p>Radiodifusoras ind\u00edgenas de la Comisi\u00f3n para el Desarrollo de los Pueblos Ind\u00edgenas.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.cdi.gob.mx\/index.php?option=com_content&#038;view=category&#038;id=71\" target=\"_blank\">http:\/\/www.cdi.gob.mx\/index.php?option=com_content&#038;view=category&#038;id=71<\/a><\/p>\n<p>Pirekuas (2) michoacanas auf YouTube<br \/>\nMale Rosita. (Pirekua) 1949 Juan Victoriano<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oz0FB5MihZE\" target=\"_blank\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oz0FB5MihZE<\/a><\/p>\n<p>Voces Mayas- Red de radios mayas M\u00e9xico-Guatemala<br \/>\n<a href=\"http:\/\/vocesmayas.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">http:\/\/vocesmayas.wordpress.com\/<\/a><\/p>\n<p>Sitio Web lengua mixe (Santa Mar\u00eda Tlahuitoltepec)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.witsuk.com\/yinet\/index.php?option=com_kunena&#038;Itemid=113&#038;func=view&#038;catid=5&#038;id=264\" target=\"_blank\">http:\/\/www.witsuk.com\/yinet\/index.php?option=com_kunena&#038;Itemid=113&#038;func=view&#038;catid=5&#038;id=264<\/a><\/p>\n<p>Segunda Cumbre Continental de Comunicaci\u00f3n Ind\u00edgena (Facebook)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/cccia13\" target=\"_blank\">http:\/\/www.facebook.com\/cccia13<\/a><\/p>\n<p>(1) Gemeinsamkeit bezieht sich auf das Gef\u00fchl, das aus der Teilhabe an einer bestimmten indigenen Gemeinschaft entsteht; es ist das Element, das der Gemeinschaft immanent ist.<br \/>\n(2) \u201cLa Pirekua\u201d ist ein Gesang der Pur\u00e9pecha und ist Teil es UNESCO Weltkulturerbes<\/p><\/blockquote>\n<h3>Dr. Carmen G\u00f3mez Mont<\/h3>\n<blockquote><p>Promovierte Politik- und Sozialwissenschaftlerin an der UNAM (Nationale Autonome Universit\u00e4t Mexikos) mit Schwerpunkt auf Kommunikation und technologischen Innovationen. Unabh\u00e4ngige Spezialistin f\u00fcr Analyse und Auswertung von Gebrauch und Anpassung von Informations- und Kommunikationsmedien im edukativen, sozialen und kulturellen Bereich. Sie ist Mitglied der GRESEC (Groupe de Recherche sur les Enjeux de la Communication ) in Grenoble, Frankreich. Sie hat eine Kolumne zum Thema Technologie und Gesellschaft in der mexikanischen Zeitschrift Revista Mexicana de Comunicaci\u00f3n und verfasst monatlich einen Kommentar zum Thema technologische Innovationen auf Radio Education.<\/p>\n<p>Sie hat Seminare zu den Anwendungsprozessen von Informations- und Kommunikationstechnologien an Hochschulen in Lateinamerika und der Europ\u00e4ischen Union gegeben. Sie schreibt f\u00fcr nationale und internationale Fachzeitschriften.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.tice.mx\" target=\"_blank\">http:\/\/www.tice.mx<\/a><\/p><\/blockquote>\n<h3>Manuel Cabrera<\/h3>\n<blockquote><p>Manuel Cabrera wurde 1986 in Mexiko Stadt geboren. Er studierte Grafikdesign an der Universidad Iberoamericana. Zur Zeit arbeitet er als freischaffender Grafikdesigner und Illustrator, w\u00e4hrend er dabei ist, ein zweites Studium in Architektur zu beenden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Oktober 2013<br \/>\n\u00a9 Santacruz International Communication <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\/\/ Indigene V\u00f6lker und digitale Technologien: Ann\u00e4herungspunkte von Kulturen im Umbruch \/\/ Mexiko ist eines der L\u00e4nder mit der gr\u00f6\u00dften biologischen und sozialen Vielfalt in der Welt. Dies trifft vor allem auf die indigenen V\u00f6lker zu: 62 Ethnien gibt es allein in Mexiko. 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