{"id":777,"date":"2013-12-13T01:00:14","date_gmt":"2013-12-13T01:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/?page_id=777"},"modified":"2015-04-18T09:25:09","modified_gmt":"2015-04-18T07:25:09","slug":"our-world-three","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/our-world-three\/","title":{"rendered":"Our World Three"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/12\/Illustration_3.jpg\" alt=\"Illustration_3\" width=\"507\" height=\"300\" class=\"alignnone size-full wp-image-765\" srcset=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/12\/Illustration_3.jpg 507w, http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2013\/12\/Illustration_3-300x177.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 507px) 100vw, 507px\" \/><\/p>\n<h1>\/\/ Tanz ist wichtig! \/\/<\/h1>\n<p>Als kleines M\u00e4dchen bin ich einfach der \u00f6rtlichen Ballettschule beigetreten, wo ich mich in der M\u00e4rchenwelt von Prinzessinnen, Schw\u00e4nen und Geistern verlor. Als ich im Biologieunterricht vom Futtertanz der Bienen erfuhr, war ich fasziniert: Die Vorstellung, dass diese Insekten \u00fcber eine angeborene Choreografie verf\u00fcgen, die sie auf dem Weg von und zu ihrem Bienenstock auff\u00fchren, fesselte mich. Sie beschwor in mir kindliche Bilder von einer Balletttruppe weiblicher Arbeitsbienen herauf, die an ihren Pirouetten, Fouett\u00e9s und Grand Jet\u00e9s feilten. Immerhin machte es mir aber bewusst, wie wichtig Bewegung und Tanz sind \u2013 sowohl f\u00fcr den Einzelnen als auch f\u00fcr die Gesellschaft als Ganzes.<\/p>\n<p>Tanz ist eine Form der Kommunikation. Ohne dass ein gesprochenes Wort n\u00f6tig w\u00e4re, kann er Grenzen \u00fcberwinden und kraftvolle visuelle Botschaften \u00fcbermitteln. Die Stammest\u00e4nze in Afrika wurden haupts\u00e4chlich aufgef\u00fchrt, um Freude auszudr\u00fccken oder um zu feiern: den Anbruch einer neuen Jahreszeit, die Geburt eines Kindes oder eine Hochzeit. Manchmal wurde damit sogar dem Leben eines Verstorbenen gedacht. Die T\u00e4nze lehrten soziale Verhaltensmuster und Werte, die den Menschen bei ihrer Arbeit und dem Erwachsenwerden halfen; sie gaben aber auch dem Leben in der Gemeinschaft Ausdruck. Der Regentanz der nordamerikanischen Indianer war ein Ritual, um Regen herbeizuf\u00fchren. Er wurde h\u00e4ufig vor den neuen Siedlern aufgef\u00fchrt, im Austausch f\u00fcr Handelsg\u00fcter. Auch die australischen Aborigines tauschten bei gro\u00dfen Feiern und Zusammenk\u00fcnften Lieder und T\u00e4nze aus, als G\u00fcter noch durch Tauschhandel den Besitzer wechselten. Der Tanz hatte einen Grund und Zweck, und jeder musste mitmachen.<\/p>\n<p>In den meisten L\u00e4ndern der Welt entstand der Volkstanz rund um feierliche Anl\u00e4sse. Sie boten eine wiederkehrende Gelegenheit zusammenzukommen, was unweigerlich zu irgendeiner Form des Gruppentanzes f\u00fchrte. Gemeinschaftst\u00e4nze wurden wegen ihrer einfachen Form gew\u00e4hlt, bei der auch Neulinge sofort mitmachen konnten und mit sofortigen Erfolgen belohnt wurden. H\u00e4ufig wurden die T\u00e4nze mit der gleichen Anzahl von Frauen und M\u00e4nnern und in Form eines Vierecks getanzt. Das f\u00f6rderte die Zusammenarbeit und ein gewisses Ma\u00df an sozialem Geben und Nehmen. Diese T\u00e4nze wurden von Generation zu Generation weitergegeben und bedurften keines Choreografen, der die Schrittfolge festlegte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Renaissance, der gro\u00dfen gesellschaftlichen und intellektuellen Bewegung, die das europ\u00e4ische Denken von den Beschr\u00e4nkungen der christlichen Philosophie befreite, bildete sich allm\u00e4hlich ein Unterschied zwischen dem h\u00f6fischen Tanz und dem l\u00e4ndlichen Volkstanz heraus. Es wurden Tanzmeister zur Ausbildung professioneller T\u00e4nzer angestellt, die den Adel unterhalten sollten. Diese T\u00e4nze wurden sorgsam schriftlich festgehalten, damit sie sp\u00e4ter neu aufgelegt werden konnten. An den K\u00f6nigsh\u00f6fen begann die Entwicklung des Tanzes als visuelle Kunstform. Er schuf eine wichtige Plattform f\u00fcr K\u00fcnstler, Komponisten, Designer und Choreografen. Die H\u00f6fe versammelten so viele K\u00fcnstler, wie sie sich leisten konnten. Man begriff, dass eine solche Kombination verschiedener K\u00fcnste einen weitaus m\u00e4chtigeren und unmittelbareren Einfluss aus\u00fcbte. Die neue Kunstform des Tanzes \u00fcbernahm eine F\u00fchrungsrolle unter den K\u00fcnsten. Aufgrund ihrer Flexibilit\u00e4t konnte sie leicht an bestimmte Themen angepasst werden, die zu der Zeit wichtig waren. Seinen Ursprung hatte das Hofballett in Italien. Durch seine Popularit\u00e4t und seinen Glanz schwappte es jedoch bald in die meisten anderen europ\u00e4ischen Monarchien \u00fcber.          <\/p>\n<p>Ein thematischer Gegenstand war f\u00fcr den Choreografen von \u00e4u\u00dferster Wichtigkeit. In den Tagen des kaiserlich-russischen Hoftheaters im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert wurde neben dem Komponisten auch stets ein Librettist angeheuert, der die thematische Grundlage f\u00fcr das Werk schuf. Es waren Mammutproduktionen im gro\u00dfen Stil, ma\u00dfgeschneidert f\u00fcr ein Publikum, das auf opulente Spektakel versessen war. Manchmal musste der Choreograf etwas von seinem eigenen Geschmack opfern, um dem seiner Zuschauer zu gen\u00fcgen. Anfang des 20. Jahrhunderts, w\u00e4hrend der Russischen Revolution, kam der Impresario Sergei Djagilew mit seinem Ensemble Ballets Russes nach Paris und eroberte Europa im Sturm. Er suchte Komponisten wie Strawinski, Debussy, Poulenc und Prokofjew auf, damit sie Musik f\u00fcr ihn schrieben. Bildende K\u00fcnstler wie Benois, Bakst und Natalia Goncharova entwarfen f\u00fcr ihn B\u00fchnenbilder und Kost\u00fcme. Sie alle unterst\u00fctzten sein Reservoir an jungen, dynamischen Choreografen, darunter Fokine, Massine, Balanchine und Nijinsky, um nur ein paar zu nennen. Viele Werke beruhten auf einer gut und sauber erz\u00e4hlten Geschichte, doch Djagilew hatte auch nichts dagegen, kontrovers zu sein. Mit Vaslav Nijinskys Le Sacre du Printemps versetzte er das Pariser Publikum in Aufruhr. Das St\u00fcck f\u00fchrte einen neuen, avantgardistischen Tanzstil ein, der von der komplizierten Musik Strawinksis begleitet wurde.                <\/p>\n<p>Aus dieser Bewegung entstanden frische Einfl\u00fcsse. Das Geschichtenerz\u00e4hlen verschwand aus dem Tanz, von dem mehr Emotion und Leidenschaft gefordert wurden. Niedliche, brave und neckische Formen waren nicht l\u00e4nger akzeptabel. Stattdessen wollte man tief sch\u00fcrfende neue Wege finden, mit Figuren und Drama umzugehen, und die starren Formeln lockern. Die verheerenden Auswirkungen des Ersten Weltkriegs, die Depressionszeit in den Zwanzigerjahren und der Aufstieg des Dritten Reiches in den Drei\u00dfigern f\u00fchrten zur Entwicklung einer Kompositionstheorie, die T\u00e4nzer und Choreografen dazu zwang, ihre Kunst im Angesicht der Gewalt, der sozialen Unruhe und Spaltung kritisch zu hinterfragen. In Deutschland initiierten prominente Personen wie Mary Wigman und Rudolf von Laban eine neue Bewegung: Der \u201eAusdruckstanz\u201c geh\u00f6rte zur expressionistischen Bewegung in der bildenden Kunst. Parallel dazu wurde in den Vereinigten Staaten von Ruth St. Denis und Ted Shawn der Modern Dance entwickelt. Das St\u00fcck \u201eDer Gr\u00fcne Tisch\u201c, das 1932 von Kurt Jooss f\u00fcr das von ihm gegr\u00fcndete Folkwang-Tanzstudio in Essen choreografiert wurde, wurde als Todestanz in acht Szenen beschrieben. Es zeigte die fruchtlosen Diskussionen von Diplomaten rund um einen Tisch, w\u00e4hrend die Schrecken des Krieges mit all ihren Folgen f\u00fcr den normalen B\u00fcrger weiterw\u00fcteten \u2013 eine deutliche Stellungnahme gegen den Krieg, ein Jahr, bevor Adolf Hitler deutscher Reichskanzler wurde. Jooss bevorzugte Themen, die politische und moralische Probleme der Zeit aufgriffen. Nachdem er sich 1933 geweigert hatte, die j\u00fcdischen T\u00e4nzer in seinem Ensemble zu entlassen, floh er mit seiner Tanztruppe aus Deutschland und lie\u00df sich im Vereinigten K\u00f6nigreich nieder. Dort konnte er seine Kunst weiter frei aus\u00fcben. Der englische Choreograf Antony Tudor, der von Jooss beeinflusst war, untersuchte in seinen Werken die Psychologie und die emotionalen Belastungen im menschlichen Leben ebenso wie Kummer und Trauer. Seine Dark Elegies aus dem Jahre 1937 spiegelten die Spannungen und Frustrationen der Drei\u00dfigerjahre wider. Die Pioniere des Modern Dance in Amerika, Doris Humphrey und Martha Graham, interpretierten die Tanz\u00e4sthetik neu. Sie waren scharfe Beobachterinnen des physischen und emotionalen Verhaltens und haben den zeitgen\u00f6ssischen Tanz, so wie wir ihn heute kennen, entscheidend mitgepr\u00e4gt.                  <\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck geht der Prozess immer weiter. Es gibt derzeit viele begabte Choreografen, die gro\u00dfartige, nachdenklich machende Werke schaffen. Sie nutzen f\u00fcr ihre Produktionen die modernste Technik, die ihnen zur Verf\u00fcgung steht. Oft geh\u00f6rt zum Choreografieren auch das Finden und Definieren eines Themas und einer Absicht. Bei der Arbeit, bei der Bewegung passiert dann etwas: Etwas verbindet sich mit etwas anderem, etwas erweist sich pl\u00f6tzlich als wichtig. Der mexikanisch-amerikanische T\u00e4nzer, Choreograf und Tanzlehrer Jos\u00e9 Lim\u00f3n, der bei Doris Humphrey studierte, schrieb in seinem Artikel f\u00fcr Selma Jeanne Cohens Buch The Modern Dance: Seven Statements of Belief: \u201eDie Funktion des K\u00fcnstlers besteht immerfort darin, die Stimme und das Gewissen seiner Zeit zu sein.\u201c Jeder K\u00fcnstler und jeder Choreograf bezieht \u2013 absichtlich oder unabsichtlich \u2013 Stellung und macht eine Aussage, die \u00fcber den Inhalt des eigentlichen Tanzes hinausgeht.      <\/p>\n<p>Unter dem Einfluss der Globalisierung wurden viele Tanzformen international bekannt, wie zum Beispiel Tango, Salsa oder Hip-Hop, auch wenn sie mittlerweile weit von ihrer Wiege entfernt sind. Auch hybride Tanzformen wurden in die westliche Kultur hineinkatapultiert, zum Beispiel durch die immer beliebteren Bollywood-Filme, die den traditionellen indischen Volkstanz mit Musicaltanz im Stil vom Broadway verbinden. Die Migration hat bei der Globalisierung ebenfalls eine Rolle gespielt. Fr\u00fcher war es unm\u00f6glich, ein russisches Ballettensemble irgendwo sonst als in seinem Heimatland zu sehen. Heute sind Choreografen internationale Stars, und ihre Werke werden von Tanzensembles auf der ganzen Welt getanzt. Manche sagen, dies h\u00e4tte den nationalen und individuellen Stil der Ensembles verw\u00e4ssert. Doch es wird verlangt und erwartet, nicht nur vom Vorstand der Tanztheater, sondern auch von den Besuchern. Au\u00dferdem ist es von unsch\u00e4tzbarem Wert f\u00fcr den Fortbestand der Kunst, sowohl f\u00fcr den T\u00e4nzer als auch f\u00fcr den Zuschauer. Der Tanz kann vielleicht keinen Krieg beenden oder politische Ansichten ver\u00e4ndern. Als Kunstform schafft er jedoch eine einzigartige Aussage, die das Publikum auf sinnvolle Weise mit einbindet. Tanz ist wichtig!<\/p>\n<h3>Quellenangaben<\/h3>\n<blockquote><p>Peter Brinson und Clement Crisp: Ballet for all<br \/>\nDoris Humphrey: Die Kunst, T\u00e4nze zu machen<\/p><\/blockquote>\n<h3>Alison Kent<\/h3>\n<blockquote><p>Alison Kent hat klassisches Ballett und zeitgen\u00f6ssischen Tanz an der Rambert School of Ballet in London studiert und 15 Jahre lang als professionelle T\u00e4nzerin gearbeitet. Heute lebt sie als freiberufliche Tanzjournalistin und -kritikerin in Garmisch-Partenkirchen.<\/p><\/blockquote>\n<h3>Manuel Cabrera<\/h3>\n<blockquote><p>Manuel Cabrera wurde 1986 in Mexiko Stadt geboren. Er studierte Grafikdesign an der Universidad Iberoamericana. Zur Zeit arbeitet er als freischaffender Grafikdesigner und Illustrator, w\u00e4hrend er dabei ist, ein zweites Studium in Architektur zu beenden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dezember 2013<br \/>\n\u00a9 Santacruz International Communication <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\/\/ Tanz ist wichtig! \/\/ Als kleines M\u00e4dchen bin ich einfach der \u00f6rtlichen Ballettschule beigetreten, wo ich mich in der M\u00e4rchenwelt von Prinzessinnen, Schw\u00e4nen und Geistern verlor. 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