{"id":962,"date":"2014-07-18T08:28:02","date_gmt":"2014-07-18T08:28:02","guid":{"rendered":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/?page_id=962"},"modified":"2015-04-18T09:24:49","modified_gmt":"2015-04-18T07:24:49","slug":"our-world-ten","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/our-world-ten\/","title":{"rendered":"Our World Ten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2014\/07\/Illu_fidelitas.jpg\" alt=\"Illu_fidelitas\" width=\"507\" height=\"314\" class=\"alignnone size-full wp-image-956\" srcset=\"http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2014\/07\/Illu_fidelitas.jpg 507w, http:\/\/ourworld-magazine.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2014\/07\/Illu_fidelitas-300x185.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 507px) 100vw, 507px\" \/><\/p>\n<h1>\/\/  Wen interessieren <br \/> schon Tiere?  \/\/<\/h1>\n<p>Die Einfahrt eines Landguts in der N\u00e4he von Valle de Bravo, Mexiko. Ein Hund \u00fcberquert die Stra\u00dfe genau in dem Moment, als ein Lastwagen heranrollt. Zuerst schl\u00e4gt der Kopf des Hundes gegen die Sto\u00dfstange. Der Fahrer scheint nicht zu bemerken, dass ein Hund in den Zusammensto\u00df verwickelt war. Der Hund bleibt unter dem Fahrzeug liegen, zwischen einer Bodenwelle und dem Hinterrad des Lastwagens. Der LKW h\u00e4lt schlie\u00dflich an. Er \u00fcberf\u00e4hrt den Hund nicht, aber es ist offensichtlich, dass er verletzt wurde. Das Tier schleppt sich hinter einen Busch am Wegesrand. Es ist ein streunender Hund \u2013 einer von Tausenden in den D\u00f6rfern von Mexiko.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nBei diesem Zwischenfall war ich neun Jahre alt und verfolgte das Ganze mit gro\u00dfer Beklemmung. Wir verbrachten gerade einige Zeit auf dem Landgut und wie es das Schicksal wollte, gab es keine anderen Zeugen au\u00dfer ein paar Arbeitern und dem Lastwagenfahrer. Ein paar Stunden sp\u00e4ter kam ich noch einmal vorbei, um nachzusehen, ob der Hund immer noch hinter dem Busch lag. Da zerrten die Arbeiter den Hund gerade mit einem Strick hervor. Er hatte ganz offensichtlich Schmerzen und jaulte. Sie meinten, der Strick w\u00e4re notwendig, \u201edamit er sie nicht bei\u00dfen&#8220; konnte. Unschuldig fragte ich, was sie mit ihm machen und ob sie ihn gesund pflegen w\u00fcrden, obwohl ich tief in meinem Herzen schon wusste, dass sie ihn nur von dem Gut wegschaffen wollten, um ihn anschlie\u00dfend irgendwo zur\u00fcckzulassen. Qualvoll und unter Schmerzen sterbend, angekettet, ohne sich bewegen zu k\u00f6nnen. Noch heute f\u00fchle ich Angst und Machtlosigkeit, wenn ich mich an dieses Szenario erinnere. F\u00fcr immer in mein Ged\u00e4chtnis und mein Herz eingebrannt.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nSeit ich denken kann, liebe ich Tiere und empfinde gro\u00dfes Mitleid, wenn ich die Bilder eines leidenden oder alleingelassenen Tieres sehe. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses spezielle Mitgef\u00fchl genetisch bedingt ist oder ob es sich durch Erfahrungen im Leben bildet. Sicher ist, dass Menschen, die dieses Mitgef\u00fchl besitzen, ganz unterschiedliche gesellschaftliche und intellektuelle Hintergr\u00fcnde haben k\u00f6nnen. Tierfreunde reichen von Menschen, die eine Katze oder einen Hund von der Stra\u00dfe retten und aufnehmen, bis zu den Ultra-Radikalen, die nicht einmal Honig essen, weil sie die Honigproduktion als Ausbeutung der Bienen verstehen. Es gibt ernsthafte akademische Diskussionen zum Thema, das h\u00e4ufiger polarisiert als eint, aber das ist der Beginn jeder gesellschaftlichen Entwicklung. Die individuelle Herausforderung ist, Emotion und Intellekt zu verbinden und schlie\u00dflich Hilfe und Ma\u00dfnahmen anzubieten, die zum Wohlergehen der Tiere beizutragen.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nIn einem Land wie Mexiko sind streunende und hilflose Hunde und Katzen allt\u00e4gliche Szenen, die der Mehrheit der Menschen gleichg\u00fcltig sind. Die Zahlen sind alarmierend. Es wird gesch\u00e4tzt, dass etwa 14 Millionen Hunde (und wahrscheinlich eine \u00e4hnliche Anzahl Katzen) in Mexiko Streuner sind. Acht von zehn Hunden, die geboren werden, enden im ersten Jahr ihres Lebens in unw\u00fcrdigen Lebenssituationen. Diese Zahl ist f\u00fcr reinrassige Hunde fast genauso hoch. Die Formulierung \u201eenden in unw\u00fcrdigen Lebenssituationen\u201c bedeutet in diesem Kontext, vernachl\u00e4ssigt auf der Dachterrasse eines Hauses, das ganze Leben angebunden in der Garage, zur T\u00f6tung an sogenannte Tierkrankenh\u00e4user geliefert (die eigentlich nur abscheuliche Hundezwinger sind), f\u00fcr illegale und brutale Hundek\u00e4mpfe verwendet oder auf Stra\u00dfen oder Autobahnen ausgesetzt, um irgendwann \u00fcberfahren zu werden. Die beiden zentralen Punkte dieses Problems sind einerseits das komplette Fehlen rechtlicher Kontrolle \u00fcber den Tierhandel und andererseits eine fehlende Kultur der Verantwortung auf Seiten der Tierhalter. Leider findet in Mexiko Tierhandel meist auf Wochenm\u00e4rkten (in Mexiko &#8222;tianguis&#8220; genannt) statt oder in f\u00fcrchterlichen Einrichtungen, wo Hunde und Katzen in Hinterh\u00f6fen gez\u00fcchtet werden und ihr ganzes Leben in K\u00e4figen verbringen. Die Tiere leben unter erb\u00e4rmlichen Bedingungen und die Verk\u00e4ufer t\u00e4uschen die K\u00e4ufer in Bezug auf Rasse, Gesundheit und Alter der Tiere. Auf der anderen Seite fehlt die Verantwortung der Besitzer \u2013 Sterilisation ist kein Thema und wird auch nicht als L\u00f6sung f\u00fcr die \u00dcberpopulation und Vernachl\u00e4ssigung ganzer W\u00fcrfe gesehen. St\u00e4ndig h\u00f6rt man sinnlose Argumente wie &#8222;Sie soll doch wissen, wie es ist, Mutter zu sein&#8220;, um die Tr\u00e4chtigkeit einer H\u00fcndin oder einer Katze zu rechtfertigen, die dann einen oder mehrere W\u00fcrfe geb\u00e4rt, die schlussendlich kein Zuhause finden. Oder man sieht M\u00e4nner gro\u00dfe Augen machen und sich mental schon in den Schritt fassen, wenn vorgeschlagen wird, den R\u00fcden oder den Kater zu kastrieren. Man muss mit ihnen sprechen und sie aufkl\u00e4ren, dass &#8222;Fortpflanzung&#8220; f\u00fcr Tiere etwas anderes ist als Sexualit\u00e4t wie wir sie als Menschen verstehen.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nGibt es denn nun Fortschritte in dieser Sache? Ja, nach und nach gehen wir in die richtige Richtung. Noch vor 25 Jahren wurden Tierretter und diejenigen, die nach verantwortungsvollen Adoptionsstellen in Mexiko gesucht haben, diffamiert und beschimpft, weil sie die Vokabel &#8222;Adoption&#8220; im Zusammenhang mit Tieren benutzten. Man warf Ihnen vor, dass dieser Terminus nur im Zusammenhang mit Kindern verwendet werden darf. Auch das Bild, das Menschen von Tierrettern haben, hat sich ver\u00e4ndert: Man denkt nicht mehr an ein dreckiges, vernachl\u00e4ssigtes Haus voller Tiere, und einen Besitzer, dessen hygienischer Zustand an seiner geistigen Gesundheit zweifeln l\u00e4sst. Die Regierung tr\u00e4gt auch ihren Teil dazu bei. Es gibt einen Gesetzesvorschlag f\u00fcr alle Bundesstaaten Mexikos, der kostenlose Sterilisationskampagnen vorsieht. Immer mehr Staaten verabschieden Gesetze, die Tierqu\u00e4lerei mit Strafen belegen und sich mit komplizierten Themen wie dem Verbot von Zirkusvorstellungen und anderen Spektakeln mit Tieren besch\u00e4ftigen. <\/p>\n<p>Das Thema gewinnt weltweit immer mehr an Aufmerksamkeit. Soziale Netzwerke sind auch hier ein bedeutendes Werkzeug. F\u00e4lle von Tierqu\u00e4lerei werden schneller aufgedeckt und die Adoption von Tieren gef\u00f6rdert. Diese Netzwerke sind ohne Zweifel wichtig bei der Feststellung von Tierqu\u00e4lern und der Aktivierung der Massenmedien. Im Bundesstaat Jalisco ist es vor Kurzem gelungen, ein Tierschutz-Gesetz zu verabschieden, das Tierqu\u00e4lerei abschlie\u00dfend mit Gef\u00e4ngnisstrafe belegt. Dies war eine direkte Folge einiger Fotos auf Facebook, die eine Person zeigen, wie sie Hundewelpen bei lebendigem Leibe verbrennt. Ein Nachbar machte die Aufnahmen ohne bemerkt zu werden.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nDie eingehende Besch\u00e4ftigung mit Tierschutz f\u00fchrt zu emotionaler, finanzieller und sogar famili\u00e4rer Zerm\u00fcrbung. Die Anzahl der t\u00e4glichen F\u00e4lle ist horrend und das Thema weitl\u00e4ufig. Leidenschaft, Herzblut und chaotische Organisation bestimmen die Diskussion, aber man muss intelligent und konsequent arbeiten. Es ist traurig zu sehen, wie diese Anstrengungen an ein oder zwei Personen h\u00e4ngen und wenn diese Personen sterben (denn diese Art Engagement betreibt man bis zum Schluss), wird der Prozess unterbrochen oder sogar beendet. Es ist klar, dass man nicht jedes Tier retten kann, aber jeder Freiwillige, jedes Gespr\u00e4ch, jede Rettung und jedes Happy End bedeutet St\u00e4rkung und Konsequenz f\u00fcr unsere Plattform. Man muss fokussiert bleiben und mit Disziplin an diesem Thema arbeiten, damit Ma\u00dfnahmen Fr\u00fcchte tragen.<br \/>\n\u00a0<br \/>\nEinen gro\u00dfen Schritt wird es in Mexiko geben, wenn kommende Generationen das lateinische Paradigma der katholischen Tradition durchbrechen, das N\u00e4chstenliebe und Unterst\u00fctzung als Aufgabe des Staates oder religi\u00f6ser Orden sieht. Es ist an der Zeit, dass die Gesellschaft aufwacht und jeder dort anpackt, wo er helfen kann oder einen Teil seiner Mittel gibt, ganz egal f\u00fcr welche gute Sache. In meinem Fall werden das weiterhin Tiere sein. Gl\u00fccklicherweise besitze ich mittlerweile die Kapazit\u00e4ten, vielen Hunde und Katzen zu helfen, die nicht das Gl\u00fcck haben, gerettet oder versorgt zu werden \u2013 wie jener Hund, der in der Einfahrt des Landguts angefahren wurde.<br \/>\n\u00a0<\/p>\n<h3>Mar\u00eda del Carmen Portilla Pons<\/h3>\n<blockquote><p>Mar\u00eda del Carmen Portilla Pons (*1967) studierte Rechtswissenschaften am Instituto Tecnologico Aut\u00f3nomo de M\u00e9xico und hat einen Master in Internationalem Wirtschaftsrecht und Betriebswirtschaft der Universit\u00e4ten Leicester und Edinburgh. Sie arbeitete 18 Jahre lang als Firmenanw\u00e4ltin f\u00fcr multinationale Unternehmen.<br \/>\nDerzeit ist sie Leiterin der Pet Help, A.C., gegr\u00fcndet 2004 in Guadalajara, Jalisco (www.adoptandounamigo.mx ). Dies ist ein gemeinn\u00fctziger Verein zur Rettung, Rehabilitation und Adoption von vernachl\u00e4ssigten und missbrauchten Hunden und Katzen. Weitere Informationen: Portilla.maricarmen @ gmail.com<\/p><\/blockquote>\n<h3>Manuel Cabrera<\/h3>\n<blockquote><p>Manuel Cabrera wurde 1986 in Mexiko Stadt geboren. Er studierte Grafikdesign an der Universidad Iberoamericana. Zur Zeit arbeitet er als freischaffender Grafikdesigner und Illustrator, w\u00e4hrend er dabei ist, ein zweites Studium in Architektur zu beenden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Juli 2014<br \/>\n\u00a9 Santacruz International Communication <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\/\/ Wen interessieren schon Tiere? \/\/ Die Einfahrt eines Landguts in der N\u00e4he von Valle de Bravo, Mexiko. Ein Hund \u00fcberquert die Stra\u00dfe genau in dem Moment, als ein Lastwagen heranrollt. Zuerst schl\u00e4gt der Kopf des Hundes gegen die Sto\u00dfstange. Der Fahrer scheint nicht zu bemerken, dass ein Hund in den Zusammensto\u00df verwickelt war. 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